Universitätsbibliothek

Ain ewig Stipendium - 500 Jahre Martinianum

Am 12. November wurde in der Wandelhalle des Bonatzbaus der Universitätsbibliothek die Ausstellung „Ain ewig Stipendium - 500 Jahre Martinianum in Tübingen“ des Universitätsarchivs eröffnet. Sie wird bis zum 8. Januar 2010 zu sehen sein.

Das „Martinianum“ wurde 1509 von dem Stuttgarter Stiftsherrn Dr. Georg Hartsesser (um 1445 - 1518) und dem Tübinger Stiftskirchenpfarrer Dr. Martin Plantsch (um 1460 - 1533) als „Collegium Sanctorum Georgii et Martini“ gestiftet, um armen Studenten ein von Unterhaltssorgen freies Studium zu ermöglichen. Es war die bedeutendste der einst zahlreichen Tübinger Stipendienstiftungen und besteht - freilich in veränderter Form - unter dem Namen Martin-Ficklersche Stiftung noch heute.

1683 bezog die Stiftung, die bis dahin einen Gebäudekomplex gegenüber dem heutigen Wilhelmsstift (Ecke Lange Gasse / Hafengasse) nutzte, einen großzügigen Neubau in unmittelbarer Nähe der Stiftskirche. Dieser „Neue Bau“ im alten Universitätsquartier an der Münzgasse wird seit 1977 vom Tübinger Studentenwerk wieder als Wohnheim genutzt, und wer die Eingangshalle betritt, sieht sich im bunten studentischen Ambiente unvermittelt dem Grabmal Martin Plantschs gegenüber.

Bis 1923, als die Martinsstiftung den eigenen Wohnheimbetrieb einstellen musste, hatte sie über 2000 Studenten gefördert, darunter so prominente wie den Theologen und Universitätskanzler Jakob Beuerlin (1520-1561). Sogar in die Literaturgeschichte ging der Neue Bau ein, als sich hier im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts um den Medizinstudenten Justinus Kerner (1786-1862) die Keimzelle der Schwäbischen Romantik bildete.

Nachdem zwei Weltkriege mit Inflation und Währungsreform von den alten Universitätsstiftungen nur noch kümmerliche Reste übrig ließen, hat das Stiftungswesen neuerdings wieder Konjunktur. Auch das ist ein Grund für das Universitätsarchiv, an das Martinianum und seine Stifter zu erinnern. Schwerpunkt liegt dabei auf der Zeit bis zum Dreißigjährigen Krieg, wobei den Besucher überraschende Einblicke in den damaligen Studienalltag erwarten.

Konzipiert und erarbeitet wurde die Ausstellung von der Historikerin Gudrun Emberger, Gotha