Universitätsbibliothek

Primus Truber (1508-1586) - Slawischer Bücherdruck und Reformation

14. Miniausstellung vom 19.5. - 31.7.2008

Rechtzeitig zum 500. Geburtstag des slowenischen Reformators Primus Truber am 9. Juni wird in unserer 14. Miniausstellung Leben und Werk des in Derendingen verstorbenen Reformators vorgestellt. Die Ausstellung wird vom 19.5. bis zum 31.7.08 am üblichen Ort, im Durchgang vom Hauptgebäude zum Ammerbau, zu sehen sein.

Primus Truber wird oft als der „slowenische Luther“ bezeichnet. Dies bezieht sich auf sein Verdienst um die Übersetzung der Bibel in die slowenische Sprache. In Raščica, einem Dorf südlich von Laibach (Ljubljana) in Slowenien, am 9. Juni 1508 geboren, kam er bei seinen Studien in Triest in Kontakt mit den humanistischen Schriften Erasmus von Rotterdams sowie den Werken Luthers und der Schweizer Reformatoren. Zurück in seiner Heimat, predigte er u.a. gegen Ablasshandel und Wallfahrten und wollte die katholische Kirche von innen reformieren. Er fand Mitstreiter, jedoch auch Gegner und musste schließlich aus Laibach fliehen. Im Deutschen Reich fand er Aufnahme zunächst in Nürnberg, bevor er in Rothenburg ob der Tauber eine Pfarrstelle antrat. In Rothenburg begann er mit der Übersetzungsarbeit biblischer Texte ins Slowenische, 1550/51 wurden die ersten slowenischen Bücher gedruckt: ein ABCdarium für die Jugend und ein Katechismus nach Brenz. Truber brachte hierfür das Slowenische in eine allgemein gültige Schriftform. Er gilt mit dieser Leistung als der Begründer der slowenischen Schriftsprache.

Nach Rothenburg wirkte er in Kempten als Pfarrer, wo er eine Kirchenordnung für Kempten verfasste. Truber kehrte zwei Mal nach Laibach zurück, wurde aber jedes Mal wieder vertrieben. Zuflucht fand er dann im reformierten Württemberg Herzog Christophs, der ihm auch Pfarrstellen in Urach und zum Schluss in Derendingen übertrug. Den größten Teil seines Lebens widmete er sich seinen Übersetzungprojekten ins Slowenische und Kroatische. Bei den Übersetzungen standen ihm Stephan Consul und Anton Dalmata zur Seite. Großzügige Unterstützung fand er in Hans Ungnad, der in Urach die „Windische, chrabatische und cirulische Thrukerey“ gründete und mit seinem Vermögen das Unternehmen finanzierte. Für den Druck wurden eigens glagolitische und kyrillische Lettern geschnitten. Neben seinem Übersetzungswerk setzte Truber sich auch für das Schulwesen in seiner Heimat ein und förderte die Studenten, die aus der Krain zum Studium nach Tübingen kamen. Vor seiner dritten Flucht aus Laibach hatte er eine slowenische Kirchenordnung verfasst. Truber verbrachte die letzten 19 Jahre seines Lebens ins Derendingen, wo er am 28. Juni 1586 starb und auch begraben liegt. Sein Sohn Felician gab posthum die von Truber übersetzte lutherische Postille heraus.

Die UB Tübingen besitzt 17 Drucke aus der Uracher Bibelanstalt und zeigt in ihrer Ausstellung über Primus Truber einige seiner Werke. Unter den ausgestellten Archivalien aus dem Universitätsarchiv Tübingen ist auch ein eigenhändig verfasster Brief Trubers an Hans Ungnad. Das Hauptstaatsarchiv Stuttgart stellte als Leihgaben einen Brief Trubers an Herzog Ulrich sowie einen Probezettel für glagolitischen Druck zur Verfügung. In den Texten wird das Leben Primus Trubers in einer Übersicht dargestellt, daneben wird auf die geschichtlichen Hintergründe des 16. Jahrhunderts eingegangen. Weitere Texte widmen sich Hans Ungnad und der Uracher Bibelanstalt sowie der Entwicklung der glagolitischen und kyrillischen Schrift. Außerdem wird eine Übersicht über die slawischen Drucke der Bibelanstalt gegeben. Texte in den Vitrinen befassen sich mit Persönlichkeiten aus dem Umfeld Trubers, die ihn zum einen maßgeblich beeinflusst haben und die zum anderen seine Arbeit unterstützten (Pietro Bonomo, Peter Paul Vergerius, Johannes Brenz, Jakob Andreä, Herzog Christoph von Württemberg). Über den Vitrinen sind die Stationen von Trubers Leben mit Fotos und kurzen Texten dargestellt.