Universitätsbibliothek

Kaffee - eine kleine Kulturgeschichte

3. Mini-Ausstellung vom 4.10.-30.11.2004

Espresso, Cappuccino, Latte Macchiato – Kaffee liegt im Trend.
Kaffee - das zweitwichtigste Welthandelsprodukt nach Erdöl -
wird in über 100 Ländern dieser Welt getrunken.
Kaffee ist der Deutschen liebstes Getränk.

Doch wussten Sie, dass...

... die Kaffeebohnen eigentlich die Samen der Kaffeepflanze sind?
... 1673 in Bremen das erste Kaffeehaus Deutschlands eröffnet wurde?
... sich die Anbaufläche der Kaffee-Weltproduktion auf etwa 80 Länder verteilt?

Wir richten in unserer "Mini-Ausstellung" einen Blick zurück auf die Anfänge der Kaffeekultur, verfolgen den Eroberungszug des Kaffees vom Orient nach Europa und präsentieren unter anderem die erste wissenschaftliche Beschreibung des Kaffees sowie die erste bildliche Darstellung einer Kaffeepflanze.

Kaffee - Geschichte

Anfang 11. Jahrhundert
Das Heilmittel „Bunchum“ wird zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Später wird das daraus abgeleitete Wort „bunc“ im Zusammenhang mit Kaffeeanbau gebraucht. Die Historiker streiten sich, ob dies als Beweis für die Bekanntheit des Kaffees schon zu dieser Zeit gelten kann.

Mitte 15. Jahrhundert
Ein arabisches Manuskript von 1587 belegt erstmals eindeutig Kaffeekonsum in der arabischen Welt. Da dieses Manuskript ein etwa 100 Jahre älteres Manuskript zitiert, ist also Kaffeekonsum seit Mitte des 15. Jahrhunderts nachgewiesen.

16. Jahrhundert
Das Osmanische Reich gelangt mit der Einverleibung des Kalifats Ägypten auf seinem Höhepunkt an. Dies ist zugleich auch ein Höhepunkt für die Ausbreitung des Kaffees, der überall im Osmanischen Reich getrunken wird.

1510
In diesem Jahr gelangt die Kaffeebohne erstmals nach Kairo. Außerdem erobert der Kaffee langsam das arabische Großreich.

1511
Der wohl erste Streit über Sinn und Unsinn des Kaffeekonsums wird in Arabien ausgetragen, nachdem ein politischer Funktionär feststellt, dass Kaffeetrinker über ihn scherzen. Es kommt kurzfristig zur Schließung aller Kaffeeschänken. Der Sultan von Ägypten hebt die Schließungen aber bald wieder auf.

1554
Das erste Kaffeehaus Europas wird in Konstantinopel gegründet.

Ende 16. Jahrhundert
Immer mehr Informationen über das Kaffeegetränk werden von Forschern und Reisenden nach Mitteleuropa mitgebracht. Überall herrscht Verwunderung über die belebende Wirkung des Kaffees.

1592
Die erste detaillierte Zeichnung und Beschreibung der Kaffeepflanze und –frucht wird vom italienischen Arzt Prosper Alpinus erstellt.

Anfang 17. Jahrhundert
Die ersten Kaffeehäuser erreichen Mitteleuropa. Vor allem die großen Hafenstädte wie London, Amsterdam, Marseille, Bremen und Hamburg werden Kaffeezentren in Europa.

Ab Mitte 17. Jahrhundert
Von jetzt an darf von regem Kaffeehandel gesprochen werden. Weitere Kaffeehäuser entstehen in Oxford, Den Haag und Paris.


1673
Das erste Kaffeehaus Deutschlands eröffnet in Bremen.

1677
Nach einem vernichtenden Sieg gegen die Türken wird der zurückgelassene Kaffeebestand der Türken als ein großer Teil der Beute an die Beteiligten verschenkt. Eine Folge sind die ersten Wiener Kaffeehäuser.

16./17. Jahrhundert
Hier liegen die Anfänge der systematischen Kaffeekultivierung auf vier Kontinenten der Erde. Das arabische Kaffeemonopol fällt mit der immer größer werdenden Nachfrage im Osmanischen Reich und in Europa.

18. Jahrhundert
Parallel zum Siegeszug des Kaffees in Nordamerika und in Europa werden Kaffeeplantagen in allen Regionen der Erde, welche die klimatischen Bedingungen erfüllen, angelegt. Kaffee wird zu einem Produkt, das eine weltwirtschaftliche Relevanz besitzt.

1726
Dies gilt als das offizielle Geburtsjahr des Kaffeeanbaus in Brasilien, dem heute wichtigsten Land für den Kaffeeanbau.

1780
Der Staat hat den Kaffee als Geldquelle entdeckt und erschlossen. Kaffeeimport und Kaffeerösten werden Staatsmonopole. Dies sorgt für erhebliches Aufsehen und Unruhen. Mit dem Tod Friedrichs des Großen werden diese Monopole wieder abgeschafft.

um 1850
Kaffee ist nun endgültig zum Volksgetränk geworden. Die Reichen trinken ihn morgens und am Nachmittag. Die Ärmeren konsumieren Kaffee in Form von Kaffeesuppe als Nährstofflieferant.

19. Jahrhundert
Der spezialisierte Kaffeehandel bildet sich aus. Pflanzung, Transport und Röstung werden getrennt. Durch die Erfindung der Dampfschifffahrt werden die Transportwege für Kaffee erheblich optimiert.

Anfang 20. Jahrhundert
Erstmals übertrifft die Kaffeeproduktion die Nachfrage bei weitem. 1903 erreicht der Kaffeepreis das niedrigste je festgehaltene Niveau. Brasilien kauft tonnenweise Kaffee, um den Preis einigermaßen zu retten.

... bis heute

Die Kaffeeproduktion wird weiter industrialisiert. Löslicher Kaffee wird erfunden. 1905 wird ein Patent zum Herstellen koffeinfreien Kaffees angemeldet. Der Kaffeekonsum steigert sich weltweit von 600.000 Säcken Rohkaffee im Jahr 1750 bis auf 94 Mio. Säcke Rohkaffee im Jahr 1995. Sollte man da nicht das alte türkische Gesetz wieder einführen: „Wenn ein Mann seiner Ehefrau den Kaffee verweigert, so gilt dies als Scheidungsgrund!“.

Legenden um die Herkunft des Kaffees

Mit der anfangs zögernden, später dann außerordentlich raschen Ausbreitung des Kaffeetranks einher ging die Frage nach Ursprung und Herkunft der braunen Bohne. Kaufleute und Reisende, die im Orient das Getränk kennen lernten, brachten die Legenden seines Ursprunges mit nach Europa. Da die Daten der Geschichte des Kaffees vor dem Jahr 1500 vage sind, umranken reich und orientalisch ausgeschmückte Erzählungen den Herkunftsort des Kaffeebaums und das Bekanntwerden des Getränkes im arabischen Raum.

Der Maronitenmönch und Philologieprofessor Faustus Naironus Banesius vermittelt 1671 in seinem Traktat vom Kaffee (*) eine Geschichte, welche die bekannteste sein dürfte und heute weitverbreitet ist. Das Grundmotiv ist die Entdeckung des Wirkstoffs im Kaffeestrauch durch das auffällige Benehmen einer Viehherde:
Der Custos Camelorum, der Kamel- oder wie andere sagen Ziegenhirte, eines christlichen Klosters im Jemen beklagte sich bei den Mönchen, dass die Tiere keine Nachtruhe mehr hielten. Sie sprängen, hüpften und tanzten nächtelang umher und schienen selbst am siebenten Tag noch keine Müdigkeit zu spüren. Der Prior meinte, die Ursache dafür müsse in dem Futter der Tiere zu suchen sein. Der Hirte und zwei Mönche machten sich auf den Weg und fanden an verschiedenen Stellen, wo die Herde graste, eine strauchartige Pflanze, die sie nicht kannten. Sie schnitten einige Zweige des dunkelgrünen Strauches ab: solche mit kleinen weißen Blüten und solche, die schon Früchte trugen. Im Kloster bereiteten sie aus den mitgebrachten Pflanzenteilen einen Aufguss, von dem sie kosteten. Und siehe da: Ohne das geringste Bedürfnis nach Schlaf verbrachten sie die ganze Nacht in einem angeregten und glücklichen Seelenzustand.
Seitdem war es üblich, den „Saft“ in der Klosterküche zu kochen, um den Mönchen die Einhaltung ihrer Ordensregel – nachts zu bestimmten Zeiten zu beten und zu wachen – zu erleichtern. Der Trank zog die Aufmerksamkeit einiger Kaufleute auf sich, die als Gäste des Priors den Trank vorgesetzt bekamen. Sie begannen, mit den Fruchtkernen Handel zu treiben, und so gelangte die Kenntnis des wunderbaren schwarzen Saftes allmählich in die angrenzenden Provinzen und breitete sich im ganzen Orient aus.

Eine andere Geschichte vom Ursprung des Kaffees wird direkt mit dem Propheten in Zusammenhang gebracht. Mohammed hatte den Gläubigen den Genuss berauschender Getränke untersagt. Was lag näher, als dass er einen ansprechenden Ersatz für die Jahrtausende alten Gewohnheiten des Bier- und Weintrinkens empfohlen haben könnte? Die orientalischen Erzähler raunten jedenfalls mit ehrfurchtsvoller Stimme, dass ihr großer Prophet schwerkrank darniederlag, ohne Hoffnung auf Genesung. Da sei ihm, wie schon mehrfach vorher, der Erzengel Gabriel erschienen, diesmal in der Hand eine Schale mit einer dampfenden, dunklen Flüssigkeit. Mohammed trank davon und war auf der Stelle kerngesund. Auch diese Legende wurde blühend ausgemalt. Die reizvollste Übertreibung ist, dass der Prophet 40 Tage lang jede Nacht 40 Frauen lieben konnte, nachdem er von dem himmlischen Geschenk getrunken hatte.

(*) Naironus, Antonius Faustus: De saluberrima potione Cahue seu Cafe. Rom, 1671