Universitätsbibliothek

Nikolaus Lenau: Ich bin ein unstäter Mensch auf Erden

Ausstellung vom 27.11.97 bis 09.01.98 im Bonatzbau

 

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Südostdeutschen Kulturwerk, München und dem Institut für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Tübingen.

Sie präsentiert Leben und Werk des bekannten Dichters, der im Banat geboren, in Ofen und Pest aufwuchs, sich in Wien niederließ und viele Reisen nach Württemberg und Baden zu seinen Freunden Gustav Schwab, Ludwig Uhland und Justinus Kerner unternahm. Schwab empfiehlt ihn 1831 an Justinus Kerner:"... Hier schicke ich Dir Herrn Niembsch von Strehlenau aus Wien, einen Ungarn, einen herrlichen Dichter und Menschen, wovon Du Dich bald überzeugen wirst. Er hat bei mir gewohnt und ist für ewig mein Freund geworden; wir sind auch bei Uhland in Tübingen gewesen, und um Deinetwillen reist er über Weinsberg nach München..."

Bei den Freunden fand er neue Anregungen für seine Dichtung und menschliche Wärme, die es für den sensiblen Einzelgänger in Metternichs Polizeistaat nicht gab. Horst Brandstätter: "Nikolaus Lenau und der Weltschmerz ist eine eingeschliffene Assoziation "... 1802 geboren, verläuft Lenaus Leben im Sand der Reaktion. Der reibt ihn wund, dringt unter die labile Außenhaut, wird zu mattschimmernden Perlen: Kristallisation eines als Entfremdung empfundenen Schmerzes, dem in unvergleichlichen Naturgedichten zumeist der Herbst zukommt."

Ungarn war Lenaus Heimat, Österreich sein Lebensmittelpunkt, Württemberg seine literarische Insel der Glückseligkeit, Amerika seine - allerdings schnell enttäuschte - Hoffnung. Die zahlreichen Reisen haben ihn für die Individuellen, die gesellschaftlichen und politischen Anliegen seiner Zeit sensibel gemacht. Weil durch Lenaus Werk die Brücke von Ost nach West geschlagen wird, weil darin die Freiheit des einzelnen thematisiert wird, geht von diesem wichtigen Zeugnis europäischer Kulturgeschichte eine bleibende Faszination aus.