Das Schwazer Bergbuch

 

Schwaz liegt im Tiroler Inntal in der Nähe von Innsbruck. Über die Landesgrenzen bekannt war Schwaz um 1500 als „Aller Bergwerk Mutter“ durch den Abbau von silberhaltigem Kupfererz. Zu seiner Glanzzeit waren bis zu 300 Stollen in Betrieb und die Ortschaft zählte fast 10.000 Einwohner (Wien: 18.000), etwa die Hälfte davon waren Bergleute. Allein in den Jahren 1500 bis 1529 hat man in Schwaz rund 450 000 kg Silber abgebaut.

 

Die Krise kam Mitte des 16. Jahrhunderts. Durch die über die Jahrzehnte erlangte Tiefe der Stollen mit einer Gesamtlänge von über 500 Kilometern wurde es immer schwieriger und teurer, das Schachtende trocken zu halten. Dafür hätte man noch mehr als die bereits 600 Wasserknechte auf Leitern gebraucht, die das Wasser in Kübeln von Hand nach draußen beförderten, so dass man schließlich einige Stollen aufgab. Außerdem drang die Konkurrenz aus der Neuen Welt mit ihrem Gold und Silber auf den europäischen Markt und die politischen Gefüge im Land taten ihr Übriges – der Bergbau in Schwaz versuchte sich an einem Werbemittel für potentielle Investoren: dem Schwazer Bergbuch.

 

 

Das Buch besteht aus vier Teilen und beinhaltet außer der Bergordnung, die z.B. das Recht der Freiheit am Berg bestimmt, auch einen Teil mit den Aufgaben der Bergbeamten und Bergleute sowie mit der Entlohnung Letzterer. Im dritten Teil findet sich ein illustriertes Bergbaulexikon, das anschaulich die Arbeit über und unter Tage darstellt. Der vierte Teil erläutert die Rechtsprechung des Schwazer Berggerichts und seine Urteile. Erwähnenswert ist auch das Bruderhaus, eine Art Bürgerspital, in dem verletzte Bergmänner gesund gepflegt wurden. Das Exemplar der UB Tübingen ist ein Faksimile (eine originalgetreue Reproduktion) der Originalhandschrift der Österreichischen Nationalbibliothek Wien, die im Jahr 1561 als Abschrift eines noch früheren Exemplars entstand. Insgesamt sind 10 Exemplare nachgewiesen, die ursprünglich für einen ausgewählten kleinen Kreis von Verantwortlichen gedacht waren (daher die handschriftliche und nicht gedruckte Fertigung).

 

Trotz der Bemühungen um kapitalkräftige Gesellschaften und der Entwässerung der Stollen mittels Wasserrad, der sogenannten „Schwazer Wasserkunst“, erlangte Schwaz nie wieder die Bedeutung seiner Blütezeit. Für uns ist das Schwazer Bergbuch heute eine wertvolle Quelle der europäischen Bergbaugeschichte des Spätmittelalters.

 

Unser Faksimile stammt aus der Schenkung von Dr. Joachim Mantel, Ulm.

 

Literatur:

 

  • Bergauf Bergab. Ausstellungskatalog zur Ausstellung im Deutschen Bergbaumuseum Bochum. Thomas Stöllner (Herausgeber). Rahden / Westf., 2015. UB-Signatur: 56 B 345.
  • Bergbau und Kunst, Band 2: Darstellende Künste. Wolfgang Ingenhaeff (Herausgeber). Hall in Tirol u.a., 2012. UB-Signatur: 55 A 3570-2.
  • Schwazer Bergbuch. Faksimileausgabe der Handschrift der Österreichischen Nationalbibliothek Wien von 1556. Erich Egg (Einleitung). Heinrich Winkelmann (Übersetzer). 1988. UB-Signatur: 57 B 156.
  • Topographia Provinciarum Austriacarum. Faksimileausgabe der Erstausgabe von 1649 von Matthäus Merian. Kassel, 1963. UB-Signatur: Fo XII b 98 o.2-11.

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