Ottilie Wildermuth (1817-1877): Briefe an Sophie von Wundt

Zu den prägenden Persönlichkeiten der schwäbischen Literaturgeschichte und des Kulturlebens in der Stadt Tübingen im 19. Jahrhundert gehört ohne Zweifel die Schriftstellerin und Jugendbuchautorin Ottilie Wildermuth, die vor 200 Jahren, am 22. Februar 1817, in Rottenburg/N. als Ottilie Rooschütz geboren wurde. 1843 heiratete sie den Philologen und Gymnasialprofessor Wilhelm David Wildermuth (1807-1885). Das Ehepaar wohnte von 1847-1850 in Tübingen in der Uhlandstraße 11, von 1859-1866 in der Wilhelmstraße 16 und danach in der Wilhelmstraße 14.

 

  

 

Lange Zeit gehörte Ottilie Wildermuth zu den in Deutschland meist gelesenen Autorinnen. Ihre zahlreichen Erzählungen, Novellen, Gedichte, Lebensbilder und anderen Werke tragen einen unverkennbar idyllisch-biedermeierlichen Charakter und handeln meist im engeren oder weiteren Erfahrungshorizont der schwäbischen Autorin. Sie sind stark geprägt von einem innigen christlichen Glauben und vermitteln den Leserinnen und Lesern Hoffnung, Halt und Zuversicht. 1870 entstand auf ihre Initiative die Kinderzeitschrift „Jugendgarten“, die von ihren Töchtern Agnes und Adelheid weitergeführt wurde.

 

Eines ihrer bekanntesten Werke ist das Buch „Schwäbische Pfarrhäuser“, dessen Text erstmals 1852 in „Bilder und Geschichten aus dem Schwäbischen Leben“ veröffentlicht wurde. Diese für das protestantische Schwaben treffende Charakterisierung verschiedener Pfarrertypen erfreute sich größter Beliebtheit und wurde immer wieder neu aufgelegt. Die hoch gebildete Autorin, aus deren Feder auch Übersetzungen französischer Literatur stammen, war befreundet mit bekannten Persönlichkeiten des schwäbischen Geisteslebens, zu denen etwa das Ehepaar Uhland, Gustav Schwab, Justinus Kerner oder Professoren wie Friedrich Theodor Vischer gehörten.

 

Das Grab Ottilie Wildermuths, ihres Mannes und ihrer Tochter Adelheid befindet sich auf dem Tübinger Stadtfriedhof. Auf der Neckarinsel unweit der Alleenbrücke steht ein ihr 1887 gewidmetes Denkmal von dem Bildhauer Wilhelm Rösch. 1927 wurde das jetzige Wildermuth-Gymnasium (ursprünglich Höhere Mädchenschule, dann Mädchenrealschule) nach ihr benannt, ebenso eine Straße nördlich des Tübinger Stadtfriedhofs.

 

Ebenfalls auf dem Tübinger Stadtfriedhof befindet sich das Grab ihres Enkels Eberhard Wildermuth (1890-1952); er war ein liberaler Politiker und von 1949-1952 Wohnungsbauminister im ersten Bundeskabinett von Konrad Adenauer.

 

 

Die UB Tübingen besitzt ein Konvolut von Briefen Ottilie Wildermuths an ihre Freundin Sophie von Wundt, in denen u.a. deutlich wird, wie sehr die Autorin auch existentielle Probleme ihrer Mitmenschen bewegten und sie ihnen Rat und Hilfestellung geben wollte.

 

Literatur:

In frohen und in müden Zeiten : Gereimtes und Erzähltes - ein Lesebuch / Ottilie Wildermuth ; herausgegeben von Jonathan und Ulrike Schilling. - Holzgerlingen : SCM Hänssler, 2017 (UB-Signatur: 57 A 643)

 

Schwäbische Pfarrhäuser / Ottilie Wildermuth. Eingeleitet und hrsg. von Friedemann Schmoll. - Tübingen : Klöpfer & Meyer, 2009 (UB-Signatur: 49 A 7867)

 

Ottilie Wildermuth : 1817 - 1877; [ Ausstellung von Februar - Mai 1986 im Schiller-Nationalmuseum Marbach] / bearb. von Rosemarie Wildermuth. - Marbach : Dt. Schillerges., 1986 (UB-Signatur: 6 E 2955)

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