Friedrich Silcher: Zwei Lieder mit Klavierbegleitung ("Ständchen" / "Der Verliebte")

Vor 200 Jahren (1817) wurde an der Universität Tübingen das bis heute bestehende Amt des Universitätsmusikdirektors geschaffen und der junge Musiklehrer Philipp Friedrich Silcher als erster Inhaber dieses neuen Amtes berufen.

 

 

Silcher kam am 27. Juni 1789 in Schnait (Remstal) zur Welt. In Geradstetten und Fellbach wurde er als Lehrer ausgebildet. Schon früh traten seine musikalischen Talente zu Tage. Während seiner Berufstätigkeit in Ludwigsburg und Stuttgart empfing er prägende Einflüsse durch die Komponisten Carl Maria von Weber (1786-1826), Conradin Kreutzer (1780-1849) und Johann Nepomuk Hummel (1778-1837). Erste eigene Kompositionen entstanden. Nachdem Silchers Förderer Johann Friedrich Bahnmeier (1774-1841) einen Ruf als Professor für Praktische Theologie an die Universität Tübingen erhalten hatte, betrieb er hier die Einrichtung eines Universitätsmusikdirektorats, wobei er hierbei vor allem an die Förderung des protestantischen Kirchengesangs dachte.

 

Das Amt des Universitätsmusikdirektors hatte Silcher bis kurz vor seinem Tode am 26. August 1860 inne, außerdem war er Musiklehrer am Evangelischen Stift. In Tübingen entfaltete Silcher eine rege Wirksamkeit und beteiligte sich als bedeutender Protagonist an der damals populären Sängerbewegung.  Bereits 1829 gründete er die „Akademische Liedertafel“, zehn Jahre später (1839) den „Oratorienverein“, die er bis an sein Lebensende leitete. 1852 verlieh die Universität Tübingen dem verdienten Musikpädagogen, der durch mehrere Jahrzehnte die musikalische Ausbildung vieler Studierender und das Musikleben in der Stadt geprägt hatte, die Ehrendoktorwürde. Sein Grab befindet sich auf dem Tübinger Stadtfriedhof. In seinem Geburtshaus in Schnait wurde bereits 1912 ein Silcher-Museum eingerichtet.

 

 

Friedrich Silcher ist bis heute vor allem durch seine vielen Liedkompositionen und Chorsätze weithin bekannt. Hierzu gehören Lieder wie „Ännchen von Tharau“, „Die Loreley, „Frisch gesungen“ (Hab oft im Kreise der Lieben), „Wenn alle Brünnlein fließen“, „So nimm den meine Hände“, „Ich hatt einen Kameraden“. Hinzu kommt Kammermusik sowie einige Motetten und Orchesterwerke. Bereits 1819 veröffentlichte Silcher das erste Heft mit dreistimmigen Sätzen zu den Melodien des württembergischen Choralbuches,  1851 eine „Harmonie- und Compositionslehre“.  

 

 

Die UB Tübingen besitzt zwei aus dem Jahre 1854 stammende Autographen von Silcher mit kleinen Liedkompositionen („Ständchen“ und „Der Verliebte“, Signatur: Mk 50).

 

Literatur:

  • Manfred Hermann Schmid (Hrsg.): Friedrich Silcher, 1789-1860. Studien zu Leben und Nachleben, Stuttgart 1989 (UB-Signatur: 29 A 9417:2);
  • Hermann Josef Dahmen: Friedrich Silcher, Komponist und Demokrat. Eine Biographie, Stuttgart 1989 (UB-Signatur: 44 A 7871);
  • Gabriela Rothmund-Gaul: Zwischen Taktstock und Hörsaal. Das Amt des Universitätsmusikdirektors in Tübingen 1817-1952, Tübingen 1998 (UB-Signatur: 38 A 6215:1).
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