Theodor Storm/Theodor Mommsen/Tycho Mommsen: Liederbuch dreier Freunde (1843)

In der Schwers’schen Buchhandlung in Kiel erschien 1843 ein Gedichtband dreier Studienfreunde, die während ihres Jurastudiums an der Christian-Albrecht-Universität in Kiel zusammen in einer Wohngemeinschaft lebten. An den 200. Geburtstag zweier dieser jungen Poeten wird in diesem Jahr erinnert: Theodor Storm, Dichter und Schriftsteller, wurde am 14. September 1817 in der nordfriesischen Stadt Husum geboren, Theodor Mommsen, der berühmte Rechts- und Althistoriker, kam am 30. November 1817 unweit von Husum in Garding auf der Halbinsel Eiderstedt zur Welt.

 

Schon als Schüler auf der Husumer Gelehrtenschule verfasste Theodor Storm seine ersten Gedichte. Ab 1837 studierte Storm, Sohn eines Justizrats, Rechtswissenschaft in Kiel und Berlin. 1843 ließ er sich in seiner Heimatstadt als Anwalt nieder. Wegen seiner politischen Sympathie für die schleswig-holsteinische Erhebung (1848) und seiner antidänischen Haltung entzog ihm die Regierung in Kopenhagen die Anwaltszulassung. Seit 1853 arbeitete Storm als Gerichtsassessor in Potsdam, von 1856 bis 1864 als Kreisrichter in Heiligenstadt (Thüringen). Nach der Niederlage Dänemarks im deutsch-dänischen Krieg von 1864 kehrte Storm nach Husum zurück und amtierte dort als Landvogt und Kreisrichter. Seinen Ruhestand verbrachte er im holsteinischen Hademarschen, wo er am 4. Juli 1888 starb.

 

 

Neben zahlreichen Gedichten (1852 z.B. „Die Stadt“ über seine Heimatstadt Husum) verfasste Storm viel gelesene Märchen und zahlreiche Novellen  („Immensee“, „Die Söhne des Senators“, Carsten Curator“), von denen einige zur Pflichtlektüre an deutschen Schulen wurden.  Sein berühmtestes Werk „Der Schimmelreiter“ veröffentlichte er in seinem Todesjahr. Mit vielen Schriftstellern wie Gottfried Keller, Theodor Fontane oder Klaus Groth war Storm befreundet und korrespondierte mit ihnen. Der Briefwechsel zwischen Storm und Mommsen umfasst die Jahre 1842 bis 1887.

 

Der Pfarrerssohn Theodor Mommsen arbeitete nach seinem Jurastudium zunächst einige Zeit als Aushilfslehrer an Mädchenpensionaten und ging dann mit einem Stipendium der Regierung auf Reisen. In Italien begann er sich für die römischen Inschriften zu interessieren. Nach seiner Rückkehr betätigte sich Mommsen einige Zeit als Journalist und war ebenso wie sein Freund Storm ein Sympathisant der schleswig-holsteinischen Demokratiebewegung. 1847 erhielt er eine Professur für Rechtswissenschaft in Leipzig, wurde dort jedoch 1851 wegen seiner Beteiligung am Leipziger Maiaufstand (1849) entlassen. Seine nächsten Stationen waren Professuren in Zürich und Breslau. 1858 wurde er als Forschungsprofessor an die Berliner Akademie der Wissenschaften berufen, 1861 auf eine Professur für Römische Altertumskunde an der Universität Berlin. Mommsen veröffentlichte zahlreiche Werke zur Rechts- und Staatsgeschichte des Römischen Reiches, außerdem initiierte er viele große wissenschaftliche Editionsprojekte wie z.B. das „Corpus Inscriptionum Latinarum“.

 

 

Für seine vielfach aufgelegte „Römische Geschichte“ erhielt er 1902 den erst ein Jahr zuvor gestifteten Literatur-Nobelpreis. Bekannt wurde Mommsen auch durch seine Aktivitäten in der preußischen Hochschulpolitik, als Abgeordneter im preußischen Landtag und im Reichstag und seinen vehementen Einsatz gegen den grassierenden Antisemitismus. Sein berühmtester Schüler war der Soziologe Max Weber (1864-1920).

 

 

 

Der dritte Autor des „Liederbuchs dreier Freunde“ war Theodor Mommsens Bruder Tycho (1819-1900), der Gymnasialdirektor wurde. Von Theodor Mommsen stammen mehrere bedeutende Historiker ab: sein Enkel Wilhelm Mommsen (1892-1966) und seine beiden Urenkel Hans Mommsen (1930-2015) und Wolfgang J. Mommsen (1930-2004).

 

Literatur:

  • Gerd Eversberg: Theodor Storm. Künstler, Jurist Bürger, Wiesbaden 2017 (UB-Signatur: 57 A 2900); Jochen Missfeldt: Die graue Stadt am Meer. Der Dichter Theodor Storm in seinem Jahrhundert, München 2013 (UB-Signatur: 53 A 2714)
  • Stefan Rebenich: Theodor Mommsen, München 2002 (UB-Signatur: 43 A 10298), Peter Köpf: Die Mommsens. Von 1848 bis heute, Hamburg 2004 (UB-Signatur: 45 A 8319)
  • Hans-Erich Teitge (Hrsg.): Theodor Storms Briefwechsel mit Theodor Mommsen, Weimar 1966 (UB-Signatur: 6 A 1279)

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