Georg Herwegh: Neue Gedichte 1877

Vor 200 Jahren, am 31. Mai 1817, wurde in Stuttgart der 1848er-Revolutionär, Schriftsteller und Freiheitsdichter Georg Herwegh geboren. Nach den Vorstellungen seiner Mutter sollte der begabte Junge die Pfarrerslaufbahn einschlagen. So nahm er am württembergischen Landexamen teil, besuchte ab Herbst 1831 das Seminar in Maulbronn und wurde am 23. Oktober 1835 in das Evangelische Stift Tübingen aufgenommen. Sein Aufenthalt hier währte jedoch nur kurze Zeit. Bereits im August 1836 wurde der Theologiestudent aus disziplinarischen, wohl aber auch aus politischen Gründen ausgeschlossen. Er ging nach Stuttgart und betätigte sich dort als freier Dichter und Schriftsteller sowie als Mitarbeiter an den Zeitschriften „Europa“ und „Telegraph für Deutschland“. Mit der 1839 vollzogenen  Flucht in die Schweiz entzog er sich der Rekrutierung für den Wehrdienst. Von der Schweiz aus arbeitete er weiter an verschiedenen Zeitschriften mit, so auch an der von  Karl Marx herausgegebenen „Rheinischen Zeitung“. 1841/1843 veröffentliche Herwegh die „Gedichte eines Lebendigen“, die sich sehr gut verkauften und ihn weithin bekannt machten. Er schloss im Lauf der Zeit Bekanntschaft oder Freundschaft mit vielen prominenten radikalen Demokraten.

 

 

1842 ging Herwegh auf eine Deutschlandreise, wurde jedoch nach einiger Zeit aus Preußen und dann auch der Schweiz  ausgewiesen. In Paris erlebte er die Februarrevolution 1848 mit. Eine in Frankreich zusammengestellte  „Deutsche demokratische Legion“ unter seiner Führung sollte die revolutionäre Bewegung in Deutschland unterstützen. Nach dem Grenzübertritt bei Straßburg und der Vereinigung mit den von Friedrich Hecker angeführten Freischärlern wurde die Legion jedoch am 27. April 1848 in Dossenbach nahe der Schweizer Grenze von württembergischen Truppenverbänden aufgerieben. Anschließend lebte und arbeitete Herwegh wieder in der Schweiz. 1864 dichtete er für den von Ferdinand Lassalle gegründeten „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein“ das Bundeslied, das zum Kampflied der Arbeiterbewegung wurde, jedoch lange Zeit verboten war. Hierin finden sich die berühmt gewordenen Zeilen:

 

„Mann der Arbeit, aufgewacht“!

Und erkenne deine Macht!

Alle Räder stehen still,

Wenn dein starker Arm es will“.

 

Das Bundeslied ist in dem Gedichtband „Neue Gedichte“ abgedruckt, der 1877, zwei Jahre nach Herweghs Tod, erschien. 1866 kehrte der unbeugsame radikale Republikaner, Demokrat und pathetische Freiheitsdichter, inzwischen amnestiert, nach Deutschland zurück. Am 7. April 1875 starb Herwegh in Lichtental bei Baden-Baden. Begraben wurde er jedoch auf eigenen Wunsch im schweizerischen Liestal. Seine Grabinschrift dort lautet:

 

„Hier ruht, wie er’s gewollt, in seiner Heimat freien Erde
Georg Herwegh 31. Mai 1817 – 7. April 1875
Von den Mächtigen verfolgt,
Von den Knechten gehaßt,
Von den meisten verkannt,
Von den Seinen geliebt.“

 

Seine Frau Emma Herwegh (geb. Siegmund) (1817-1904) überlebte ihn um viele Jahre. Sie kämpfte an der Seite ihres Mannes und wurde auch als Pionierin der Frauenrechtsbewegung bekannt.

 

    

 

Literatur:

Volker Henning Drecoll u.a. (Hrsg.): Stiftsköpfe. Tübingen 2012, S. 289ff.

(UB-Signatur: 53 A 1847)

 

Ulrich Enzensberger: Herwegh – ein Heldenleben. Frankfurt/M. 1999

(UB-Signatur: 39 A 6526)

  

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