Das Logbuch der HMS Samarang (1840-1841)

Die Samarang befand sich an der Küste Chiles, als die Aufzeichnungen im Logbuch von Kapitän James Scott am 18. Juli 1840 beginnen. Vermutlich ereilte ihn der Ruf nach China genauso wie Kapitän Edward Belcher der HMS Sulphur in Singapur, denn an der Küste Chinas hatte der Erste Opiumkrieg zwischen dem Vereinigten Königreich und dem Kaiserreich China begonnen. Dem Kapitän und seiner Besatzung stand eine Fahrt von ca. 12.000 Seemeilen - über 22.200 Kilometer - quer über den Pazifischen Ozean bis in die Bucht von Kanton (heute Guangzhou) bevor, um sich dem britischen Flottenverband anzuschließen, der dort bereits vor Anker lag. Als ein Kriegsschiff sechsten Ranges war die Samarang mit ihren 28 Kanonen und einer Länge von 35 Metern ein eher kleines Schiff. Außer dem Kapitän und dem Kommandanten hatte solch ein Schiff an die 175 Mann Besatzung, darunter Offiziere, Matrosen, Tischler, Segelmacher, Köche und Schiffsjungen.

 

 

 

Interessant sind die Anmerkungen über die Geschehnisse an Bord, die Daten über Position, Kurs, zurückgelegte Strecke und Entfernung zum angepeilten Ziel. Tischler waren mit Reparaturen an den Beibooten und Masten beschäftigt, die Segelmacher kümmerten sich um intakte Segel und vor allem um die Hängematten der Mannschaft. Hängematten waren in Kriegsschiffen dieser Zeit üblich, da sie platzsparend unter Deck aufgehängt und später leicht verstaut werden konnten. Offensichtlich waren sie durch Mann und Wellengang so sehr beansprucht, dass die Segelmacher fast täglich mit Ausbesserungen an ihnen beschäftigt waren. Weitere Aufzeichnungen betreffen das Setzen und Einholen der Segel, bewaffnete Wachübungen, aber auch das Wäsche waschen und putzen.

 

Am 1. September erreicht die Samarang nach 4494 Seemeilen (8323 km) die Marquesas, eine Inselgruppe im südöstlichen Pazifik. Dort werden in drei Tagen über 30 Tonnen Trinkwasser geladen. Ab und an wird eine Flasche über Bord geworfen, zum Inhalt ein Stück Zeitung mit einer Notiz über die Position des Schiffes. Auf Christmas Island (heute Kiritimati) wird Holz geholt und der Befehl erteilt, das Schiff zu schrubben. Weiter wird über betrunkene Matrosen im Dienst berichtet, die dafür mit Hieben bestraft wurden. Auch Angaben über den Stand der Versorgungsvorräte werden in unserem Logbuch festgehalten, gelegentlich als eine Art Inventurliste. Genau 1111 Seemeilen (2058 km) vor Formosa (Taiwan) gerät die Samarang am 8. Oktober 1840 in einen Taifun. Segel reißen in Fetzen, ein Mast bricht, Ladung geht über Bord und als der Taifun seinen Höhepunkt erreicht, liegt die Samarang mit den Kanonen seitlich im Wasser. So schnell der Sturm zunimmt, läßt er auch wieder nach. Im Logbuch steht: „no ship could behave better than Samarang“. Die nächsten Tage bedeuten viel Arbeit für die Besatzung, aber alle haben überlebt.

 

   

 

Letztlich erreicht die Samarang am 22. Oktober 1840 die Macao Roads und trifft vor Kanton auf die englische Kriegsflotte. Zusammen mit 16 anderen Schiffen, u.a. der oben genannten Sulphur, beginnt am 7. Januar 1841 die Schlacht von Chuenpee (Chuenpi), aus der die Briten siegreich hervorgehen. Mehrere Aktionen stehen unter dem Kommando von Kapitän Scott. In Folge tritt China Hongkong an Großbritannien ab und duldet somit den Opiumimport, den die Briten für beliebte Exportartikel wie Seide, Tee und Porzellan aus China für den europäischen Markt brauchen.

Nach zwei weiteren Schlachten und einer Expedition vor Macao endet das Logbuch am 29. März 1841 – an dem Tag, an dem die Samarang endlich Kurs auf England nimmt, wo sie wohlbehalten im August 1841 eintrifft. Eine andere Fahrt der Samarang beschreibt Kapitän Edward Belcher in seinem Buch „Narrative of the voyage of H.M.S. Samarang during the years 1843-1846“, auf der sie auf malaiische Piraten trifft  (UB-Signatur: Fo XXIII 125-1 und 2). Danach wurde die Samarang noch in Gibraltar eingesetzt, bis sie schließlich nach 58 „Dienstjahren“ 1880 abgewrackt wurde.

 

Außer dem hier vorgestellten Logbuch besitzt die UB noch das der Juanpore, die die Route London – Shanghai – Nagasaki – London von Juni 1860 bis Juni 1861 fuhr. Beide Logbücher sind online einsehbar auf DigiTue: Samarang (UB-Signatur: Me V 4) und Juanpore (UB-Signatur: Me V 5).

 

Die Logbücher gelangten 1993 vom Institut für Sinologie (jetzt Asien-Orient-Institut Tübingen) in die UB. Wie sie wiederum dorthin gelangten, lässt sich leider nicht mehr aufklären.

 

Quellen:

Belcher, Edward : Narrative of the voyage round the world : performed in Her Majesty's ship Sulphur, during the years 1836 – 1842. Reprint der Ausgabe London 1843. – Folkestone [u.a.] : Dawsons, 1970 (UB-Signatur: 12 A 8847-2)

 

Bobrik, Eduard :Allgemeines nautisches Wörterbuch. – Leipzig : Verlagsbureau, 1850 (UB-Signatur: En56)

 

Links:

 
Druckansicht schliessen