Die Vorlesungsmitschriften des Studenten Ernst Drück

Äußerlich sehen sie schon recht ramponiert aus, die zwei Bände mit Vorlesungsnachschriften des Studenten der Kameralwissenschaften Ernst Drück aus den Jahren 1858 bis 1860. Deutlich sieht man ihnen die Spuren häufiger Nutzung an. Der Einband mit den goldgeprägten Buchstaben lässt einen gedruckten Inhalt erwarten, innen jedoch kommen recht gut lesbare handschriftliche Texte mit zahlreichen Skizzen und Zeichnungen zum Vorschein. Es sind die Nachschriften zu drei Vorlesungen, die Drück während seines Studiums an der Universität Tübingen im Wintersemester 1858/59, Sommersemester 1859 und Wintersemester 1859/60 bei den Professoren Heinrich Leibnitz und Friedrich Eduard Reusch gehört hatte. Die Bände konnten kürzlich über ein Hamburger Antiquariat durch das Universitätsarchiv erworben werden.

 

 

Ernst Drück, geboren 1839 als Sohn eines Pfarrers aus Neuhausen an der Erms, studierte ab dem Wintersemester 1857/58 in Tübingen die Kameralwissenschaften. Er machte Karriere in der württembergischen Landesverwaltung, zuletzt war er Hofrat a.D. am Landeswaisenhaus.

 

Heinrich Leibnitz (1811-1889) war von 1841-1879 Universitätszeichenlehrer, ab 1849 auch Privatdozent und seit 1862 ao. Professor für Kunstgeschichte in Tübingen. Friedrich Eduard Reusch (1812-1891) war zunächst Oberreallehrer und Lehrer für Mechanik und Maschinenlehre an der Gewerbeschule (seit 1840 Polytechnikum) in Stuttgart. Von 1851 bis 1884 war er ordentlicher Professor der Physik in Tübingen, im Nebenamt von 1855-1872 auch Professor der Technologie.

 

 

Da es sich bei den von Drück besuchten Vorlesungen nicht um abstrakte Materie, sondern ganz konkret um „Bürgerliche Baukunst“, „Maschinenlehre“ und „Technologie“ handelte, sind die Mitschriften durch eine Vielzahl kleiner Skizzen von Brücken, Schaufelwerken, oder Öfen illustriert (Technologie und Maschinenlehre) oder werden durch herausklappbare Tafeln ergänzt (Baukunst). Als Vorlagen für die kleinen, den Text begleitenden Skizzen von Drück dienten wohl die Tafelbilder des Professors. Die aufwändiger gestalteten Tafeln scheinen nicht von Drück selbst gezeichnet worden zu sein. Vielleicht wurden sie den Studenten von ihrem Dozenten zur Verfügung gestellt. Durch die Mitschriften des Studenten Drück besitzen wir nun einen geradezu lebendigen Eindruck in die Vorlesungen Mitte des 19. Jahrhunderts an der Universität Tübingen.

 

Die Vorlesungen über Maschinenlehre und Technologie sind in einer weiteren Vorlesungsnachschrift überliefert, die in der Handschriftenabteilung verwahrt wird (Mh II, 272), aufgezeichnet durch den Studenten Gustav Schmoller. Die Vorlesungsnachschriften aus dem Universitätsarchiv (Erwerbungen bis 2012) und der Handschriftenabteilung sind gemeinsam im Handschriftenkatalog verzeichnet. Der Bestand im Universitätsarchiv wächst durch neue, vom 19. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre reichende Abgaben ständig. Das vollständige Findbuch zum Bestand S 100 kann im Universitätsarchiv eingesehen werden. Und natürlich können interessierte Nutzer auch die originalen Mitschriften von Ernst Drück im Universitätsarchiv in Augenschein nehmen.

 

Quelle: UAT S 100/577 und /578

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