Nachlass Georg Wagner

Nichts bleibt wie es war – Bilder von der Nordsee aus dem Nachlass von Prof. Georg Wagner (UAT 605)

 

Hatten Sie einen schönen Sommerurlaub? Waren Sie vielleicht am Meer, vielleicht auf einer Nordseeinsel? Haben Sie dort vielleicht etwas über die sich verändernde Landschaft und das „Werdende Land“ erfahren?

 

„Werdendes Land“, so lautet der Titel eines 1935 erschienenen Bandes von Otto Leege in den Schriften des Deutschen Naturkundevereins. Zu diesem Band hatte auch Georg Wagner zahlreiche Abbildungen beigesteuert. Otto Leege (1862-1951) war Lehrer und Vogelschützer auf der Nordseeinsel Juist und gilt als „Vater“ der benachbarten Vogelinsel Memmert. Georg Wagner (1885-1971) besuchte ebenfalls zunächst das Lehrerseminar und studierte 1906-1911 in Tübingen und München. Der höhere Schuldienst führte ihn an verschiedene Orte Württembergs, zuletzt nach Stuttgart und ab 1944 nach Tübingen. 1929 habilitierte er sich und übernahm einen Lehrauftrag für Geologie an der Universität Tübingen. 1946 wurde er dann zum außerordentlichen Professor für Allgemeine und Angewandte Geologie an der Universität Tübingen ernannt. Diesen Lehrstuhl hatte er bis 1953 inne.

 

Wann sich die beiden Männer das erste Mal trafen und wie daraus kollegiale Zusammenarbeit und persönliche Freundschaft wurde ist (noch) nicht bekannt – der Nachlass von Georg Wagner, der seit 1991 im Universitätsarchiv verwahrt wird, ist bislang weder hinreichend erschlossen noch gründlich ausgewertet worden. Dem vorläufigen Findbuch lässt sich lediglich entnehmen, dass aus dem Jahr 1931 die ältesten Fotos von der Insel Juist stammen und dass Wagner in den 1930er Jahren mehrere „Studentenfahrten“ an die „Wasserkante“ unternommen hat. Bei all diesen Besuchen an der ostfriesischen Küste hat Wagner umfangreiche Bildsammlungen angelegt. Vor allem interessierten ihn das „Werdende Land“: neu entstehende Flächen, Pflanzen, die sich als Erstes auf neuen Böden ansiedeln und Brutplätze von Vögeln, die auf diese Faktoren angewiesen waren.

 

Durch Fotografien gut dokumentiert ist vor allem die zwischen Juist und Borkum gelegene „Vogelinsel“ Memmert, heute Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Dem Engagement von Otto Leege war es zu verdanken, dass die bis heute nur von einem Vogelwart bewohnte Insel 1907 vom preußischen Staat zur Vogelkolonie erklärt und 1924 staatliches Naturschutzgebiet wurde.

 

Wie die anderen Nordseeinseln ist auch Memmert starken Veränderungen unterworfen: Nachdem günstige natürliche Entwicklungen und Dünenschutzarbeiten die Fläche der Insel zunächst haben ansteigen lassen, hat sie seit Beginn der 1980er Jahre durch veränderte Strömungen und Sandwanderungen sowie die erhebliche Zunahme der Sturmfluten einen Teil ihrer Fläche verloren und ihre Umrisse stark verändert.

 

Die Fotos im Nachlass Georg Wagner zeigen somit eine Landschaft, die sich durch Werden und Vergehen in den letzten 80 Jahren radikal verändert hat.

 

Weitere Informationen:

  • Beständeübersicht des Universitätsarchivs mit Informationen zum Nachlass Georg Wagner (UAT 605)
  • Website „Die Vogelinsel Memmert“ des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
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