Tübinger Universitäts-Programmata

Anfang 2014 begann die Universitätsbibliothek Tübingen mit finanzieller Unterstützung der Kulturstiftung Baden-Württemberg mit der wissenschaftlichen Erschließung ihrer mehrere tausend Exemplare umfassenden Sammlung Tübinger Universitäts-Programmata . Hierbei handelt es sich um zumeist gedruckte Ankündigungen und Einladungen von Rektor, Senat und Dekanen verschiedener Fakultäten zu akademischen Trauerfeiern, Antrittsvorlesungen und Neuberufungen einzelner Professoren, Doktor- bzw. Magisterpromotionen sowie anderen akademischen Anlässen. In lateinischer Sprache abgefasst, stammen sie zum größten Teil aus dem 17. und 18. Jahrhundert und stellen eine wichtige, aber noch weitgehend unbeachtet gebliebene Quellengattung der Universitätsgeschichte dar. Für kommende wissenschaftliche Arbeiten zur Personen- und Universitätsgeschichte Tübingens stehen neben den Digitalisaten und den schon längere Zeit vorliegenden, meist aber sehr knappen Katalogisaten im Online-Katalog zusätzliche Informationen zur Verfügung:

 

Die normgerechte Ansetzung einer größeren Zahl von in den Programmschriften behandelten Personen und eine inhaltliche Erschließung durch Formschlagwörter bis hin zu knappen Inhaltsangaben. Nachdem die Bestände der Universitätsbibliothek bereits komplett erschlossen wurden (Projektbearbeiter: Dr. Bernhard Homa), kommen nun noch ergänzend Bestände aus dem Tübinger Universitätsarchiv hinzu, die zumeist in handschriftlicher Form vorliegen (Projektbearbeiter: Kjell Puscher).

Ein Beispiel ist die unter dem Rektorat von Professor Karl Friedrich von Kielmeyer erfolgte Einladung zur Magisterpromotion mehrerer Studenten aus dem Jahr 1812. Die Programmschrift enthält Angaben zur Biographie der Kandidaten, u.a. Lebensdaten, Herkunftsort, Genealogie, Schulbildung (mit Lehrern, Inhalten), Studienverlauf (mit Lehrern, Inhalten), Schriftenverzeichnis, sonstige Leistungen.

 

Der damalige Universitätsrektor Kielmeyer wurde vor 250 Jahren, am 22. Oktober 1765, in Bebenhausen geboren. Nach einer Lehrtätigkeit an der Hohen Karlsschule in Stuttgart vertrat er in Tübingen von 1796 bis 1816 die Fächer Chemie und Botanik, lehrte aber auch Medizin. Zu seiner Zeit galt er als auch weit über Tübingen hinaus bekannte Kapazität. Johann Wolfgang von Goethe schätzte während seines mehrtätigen Besuchs in Tübingen im September 1797 das Gespräch mit dem bedeutenden Naturforscher, der in gewisser Weise als ein Vorläufer der Evolutionstheorie von Charles Darwin gilt, da er sich eingehend mit Fragen der biologischen Systematik und der Entwicklung von niederen Arten zu höheren Lebewesen beschäftigte.

 

Die Universitätsbibliothek Tübingen besitzt zahlreiche Nachschriften seiner Tübinger Vorlesungen zur vergleichenden Anatomie, Zoologie, Chemie, Physiologie der Pflanzen und „Pflanzenphysik“.

 

In der Stadt Tübingen ist eine kleine, von der Gartenstraße abzweigende Straße nach Kielmeyer benannt.

 

Bilddateien hierzu:

idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/LXV14a_fol_07

idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/LXV10_fol-2_183

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72074 Tübingen

 

Tel.: +49 7071 29-72846

 

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