Tierischer Magnetismus

Vor 200 Jahren, am 5. März 1815, starb in Meersburg am Bodensee der Arzt Franz Anton Mesmer (geb. 1734), dessen Berühmtheit vor allem aus der Behandlung seiner Patienten mit magnetischen Kuren herrührte. Seine Behandlungsmethode wurde jedoch auch von vielen Seiten angefeindet und als Scharlatanerie und Betrug bezeichnet. Die Anwendung des Magnetismus in der Medizin war zu jener Zeit weit verbreitet, Mesmers Name („Mesmerisieren“) wird jedoch vor allem mit der Lehre vom tierischen (animalischen) Magnetismus in Verbindung gebracht. Hierbei handelte es sich nach damaliger Auffassung um ein unsichtbares „Fluidum“, das in der Weise wirke, „indem die Ströme des Allgemein-Flüssigen durch die Nerven auf den innersten Organismus der Muskelfieber einfließen und ihre Verrichtungen bestimmen“. Der Arzt könne durch magnetische Kräfte, aber auch durch Handauflegen oder andere Formen der Berührung dieses Fluidum bei Kranken beeinflussen. Trotz aller Kritik war die geistesgeschichtliche Wirkung des Mesmerismus längere Zeit sehr groß; er wird überdies als Vorläufer von Behandlungsmethoden wie Suggestion, Hypnose und Psychotherapie angesehen.

 

Die Bedeutung, die dem Mesmerismus längere Zeit zugesprochen wurde, drückt sich im historischen Buchbestand der UB Tübingen darin aus, dass mehr als 100 Buchtitel (darunter etliche Sammelbände mit Kleinschrifttum) zu dieser Thematik vorhanden sind und in einer eigenen Sachgruppe in der fachsystematischen Aufstellung des Bestands medizinischer Literatur zusammengefasst wurde (Systematikgruppe Jb VII). Mehrere Bände stammen aus der Sammlung der Tübinger Medizinerfamilie Autenrieth und der Bibliothek des Nervenarztes Karl von Schäffer, beide aus dem 19. Jahrhundert.

Zu dieser Bestandsgruppe gehört auch Literatur über die berühmt gewordene Behandlung der Seherin von Prevorst, Frederike Hauffe (1801-1829), durch den Weinsberger Arzt und Schriftsteller Justinus Kerner (1786-1862) u.a. mit Hilfe der Magnetotherapie. Hinzu kommt spätere Literatur über Hypnose, Suggestion, Sonnambulius etc.).

 

Noch bis zum 27. September 2015 ist im Heilig-Geist-Spital in Meersburg die Ausstellung „Magie des Heilens“. Die wundersamen Erkundungen des F.A. Mesmer. Wien, Paris, Meersburg“ zu sehen, in der etliche Leihgaben aus dem Bestand der UB Tübingen vertreten sind. Diese Ausstellung wurde von Thomas Knubben konzipiert, von dem auch ein neues Buch über Mesmer erschienen ist („Mesmer oder Die Erkundung der dunklen Seite des Mondes“, Tübingen: Klöpfer & Meyer, 2015 – Signatur der UB Tübingen: 55 A 3056).

 

Das verschleierte Bild zu Sais, oder die Wunder des Magnetismus

Ein Gespräch über den Magnetismus

 

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