Grußwort von Bundeskanzler Helmut Schmidt zum 500-jährigen Bestehen der Universität Tübingen 1977

Der Bestand S 84 im Universitätsarchiv Tübingen (S steht für Sammlungen) trägt einen interessanten Titel: Jubiläumsglückwünsche 1977. Die Beständeübersicht gibt nähere Auskunft über die Sammlung: Sie enthält Glückwunschurkunden und -schreiben sowie Geschenke (Medaillen) von Hochschulen, Akademien und Hochschulverbänden aus Anlass des 500-jährigen Bestehen der Universität Tübingen. Den Hauptteil machen Glückwunschschreiben von Universitäten aus aller Welt aus: von Aix-en-Provence über Cambridge, Montréal und Singapur bis Zürich wurden Urkunden und Geschenke übersandt. Insgesamt handelt es sich um 123 Stücke, die im Magazin 0,5 lfd.m einnehmen und einzeln verzeichnet sind..

 

Unter diesen Glückwünschen befindet sich auch ein Grußwort von Bundeskanzler Helmut Schmidt vom 6. Oktober 1977. Es liegt in zweifacher Ausfertigung in der Akte: einmal als Telex, das bereits am 6. Oktober abgesandt und angekommen war, sowie als maschinenschriftliche Ausfertigung, die einen Tag später beim Präsidenten der Universität, Adolf Theis eintraf und die eigenhändige Unterschrift von Helmut Schmidt trägt.

 

Im Grußwort spricht Schmidt zeitunabhängige und 1977 brandaktuelle Themen an: er nimmt Bezug auf den Ruhm der Eberhards-Karls-Universität und auf die „großen Männer“ Kepler und Hegel. In einem weiteren Abschnitt fordert er dann die Hochschule auf, sich in den Diskurs um das Verhältnis zwischen Fortschritt und menschlicher Zukunft einzumischen und sich „auch der gegenwärtigen Diskussion über Terror und Gewalt zu stellen“. Wir müssen uns vergegenwärtigen: das Universitätsjubiläum fand mitten im Deutschen Herbst 1977 statt, die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer lag gerade einen Monat zurück, sein Schicksal war zur Zeit des Universitätsjubiläums noch nicht geklärt.

 

Am Samstag, den 8. Oktober 1977 fand der Festakt zum Jubiläum in der Stiftskirche in Anwesenheit von Bundespräsident Walter Scheel und dem baden-württembergischen Minister Hans Filbinger statt. Ob das Grußwort des Bundeskanzlers hier oder bei einer anderen Veranstaltung der Festwoche verlesen wurde, lässt sich dem Programm nicht mehr entnehmen. Das Schreiben wurde jedoch bei einer im folgenden Jahr stattfindenden Präsentation des Universitätsarchivs in der Neuen Aula, bei der Jubiläumsgeschenke gezeigt wurden, ausgestellt.

 

Quelle: UAT S 84/2, 1

Literatur: Attempto Heft 63-65 (1978/79)

 

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