Bismarck

 

Otto von Bismarck wurde vor 200 Jahren, am 1. April 1815, in Schönhausen bei Stendal geboren. Nach dem Jura-Studium in Göttingen und Berlin absolvierte er das Rechts-Referendariat in Aachen und Potsdam.

 

Seine politische Karriere begann er 1847 in Preußen als Abgeordneter des Vereinigten Landtags bzw. des Preußischen Abgeordnetenhauses. Seit 1851 vertrat er Preußen als Gesandter beim Bundestag in Frankfurt/M., 1859 als Botschafter in St. Petersburg und 1862 kurze Zeit in Paris. Im gleichen Jahr wurde er preußischer Ministerpräsident und Außenminister, 1867 Kanzler des Norddeutschen Bundes, und seit 1871 wirkte er als Reichskanzler des neuen deutschen Kaiserreichs. Im März 1890 erfolgte seine spektakuläre Entlassung durch den jungen Kaiser Wilhelm II. Seinen Ruhestand verbrachte der „Eiserne Kanzler“ im schleswig-holsteinischen Friedrichsruh. Dort verfasste er seine berühmten „Gedanken und Erinnerungen“, die zu den Meisterwerken der politischen Memoirenliteratur gehören. Er starb am 30. Juli 1898.

 

In der Autographensammlung der UB Tübingen befinden sich zwei Blätter von der Hand des berühmten Politikers aus den Jahren 1891 und 1892, niedergeschrieben in Friedrichsruh: Ein kurzes Dankschreiben für empfangene Neujahrsglückwünsche an einen unbekannten Adressaten und ein kleiner Zettel mit einer von ihm verfassten „politischen Weisheit“: „Wenn sich der Deutsche seiner Kraft recht bewußt werden soll, dann muß er erst eine halbe Flasche Wein im Leibe haben oder besser noch eine ganze“. Wie und wann die beiden Stücke in den Besitz der UB gelangten, ist unbekannt.

 

Viele wissenschaftliche Bibliotheken besitzen in ihren Handschriftenbeständen auch zahlreiche Autographen. Diese haben meist „museale“ Zwecke, sollen sie doch als Anschauungsbeispiele für die Schrift berühmter Zeitgenossen dienen. Oder aber sie sind Zufallsfunde, etwa weil sie Büchern, die aus Privatbesitz erworben wurden, beilagen.

 

Die Autographensammlung der UB Tübingen besteht aus etwa 900 Einzelstücken, meist aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

 

Interessierte Bibliothekbenutzer werden Bismarck noch an anderen Stellen begegnen. Etwa an der Außenfassade des Bonatzbaus, die durch 12 Porträtköpfe (Bildhauer Ulfert Janssen, Stuttgart) geschmückt wird. Aus politisch-patriotischen Gründen kam damals der deutsche Kanzler als Schöpfer der Reichseinigung 1912 zu dieser „Ehrung“, obgleich er gar nicht in diese Reihe großer Dichter und Denker passt.

 

Korrespondierend hierzu befinden sich auf der Brücke zum Ammerbau Texte und handschriftliche Zeugnisse dieser 12 Persönlichkeiten. Bismarcks Handschrift ist auf dem ersten Fenster (vom Hauptgebäude her gesehen) zu entdecken (Brief an G. von Puttkamer, 1871).

 

In der Bilddatenbank der Universität Tübingen befinden sich einige interessante Stücke mit Bezug zu Bismarck, u.a. eine Abbildung der Kapsel, in der die Universität Bismarck zum 70. Geburtstag die Ehrendoktorwürde verlieh (eine weitere solche Ehrung erfolgte zum 80. Geburtstag)  – Abdrucke beider Diplome gibt es unter der UB-Signatur: Fo XII a 1062.4.

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