Martin Crusius - Philhellene und Chronist

Martin Crusius wurde als Martin Kraus am 19. September 1526 in – nach eigenen Angaben - dem fränkischen Dorf Pottenstein in der Nähe von Bamberg geboren. Crusius kam mit 14 Jahren an die Lateinschule von Ulm, wo er sich bereits durch ausgezeichnete Kenntnisse der alten Sprachen hervortat. 1545 ging er nach Straßburg, dort widmete er sich dem gründlicheren Studium des Lateinischen und vor allem des Griechischen.

 

Crusius machte sich einen Namen als Herausgeber und Kommentator antiker griechischer Texte und von Rhetorik- und Grammatiklehrbüchern Philipp Melanchthons sowie als Verfasser einer lateinischen und einer griechischen Grammatik. Zum Wintersemester 1559/60 wurde Martin Crusius als Professor der lateinischen und der griechischen Sprache an die Universität Tübingen berufen. 1564 erhielt er auch den Lehrauftrag für Rhetorik. Bis zu seinem Tod im Jahre 1607 hatte Crusius in Tübingen die Professur für Alte Sprache inne. Er starb am 14. Februar 1607. In der Tübinger Stiftskirche, in der er seine zahlreichen Predigtnachschriften verfasst hat, ist er begraben. Ein Grabmal mit einer von ihm selbst verfassten griechisch-lateinischen Inschrift erinnert dort an ihn.

 

Diarium

Crusius führte über 30 Jahre Tagebuch. Das Diarium befindet sich heute im Besitz der UB und ist eine wichtige und häufig benutzte Quelle zur Tübinger Universitätsgeschichte.
Häufig erwähnte Crusius auch Dinge des täglichen Lebens: Kleidung, Nahrung, Wohnung, Preise, Tagesabläufe, Sitten und Gebräuche, Krankheiten und Besuche. Dem Philhellenen Crusius waren Besucher aus Griechenland, die ihm über die neugriechische Sprache und Griechenland im allgemeinen berichteten, besonders willkommen. Außerdem schrieb Crusius - auf griechisch - über 40 Jahre die Predigten mit, die in der Tübinger Stiftskirche auf deutsch von Tübinger Theologieprofessoren gehalten wurden.

 

Crusius besaß eine umfangreiche Bibliothek, aber er sammelte nicht nur Bücher, sondern er hat sie zum großen Teil auch gelesen, wovon zahlreiche Randbemerkungen aller Art zeugen. Die griechischen, römischen und byzantinischen Schriftsteller bildeten den Schwerpunkt seiner Bibliothek, aber auch Geschichte und – wie im 16. Jahrhundert fast selbstverständlich – Theologie waren reichlich vertreten.


Erwerbungsdatum, Kaufpreis und Bindepreis sind häufig von Crusius selbst in seinen Büchern vermerkt. Der Zugang von Büchern ist auch aus dem Tagebuch ersichtlich, in dem Crusius auch Geschenke notierte. Nach Crusius’ Tod ging die Bibliothek fast vollständig an die Bibliothek der Philosophischen Fakultät und mit dieser 1776 an die Universitätsbibliothek. Andere Teile der Bibliothek wurden verkauft. Heute befinden sich 677 Bände aus Crusius’ Bibliothek im Besitz der UB, 52 Bände sind im Besitz der Kirchenbibliothek (Turmbibliothek) Nürtingen.

 

Die in dieser Ausstellung gezeigten Tier-Abbildungen zeichnete Crusius an den Rand seiner Werkausgabe von Aristoteles. Als Vorlage für die Zeichnungen diente ihm Conrad Gesners Werk Historia animalium, Bd. 3: De avium natura (1555) und Bd. 4: De piscium et aquatilium animantium natura (1558), Signatur: Bh 7.2.

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