Der Siebenschläfer

1. Mini-Ausstellung zum Tier des Jahres 2004

vom 15.3.-15.5.2004

 

Siebenschläfer als Ausstellungsthema - für eine Universitätsbibliothek vielleicht etwas ungewöhnlich, nicht jedoch im Falle der UB Tübingen.

 

Das Tier, das von der "Schutzgemeinschaft Deutsches Wild" zum Tier des Jahres 2004 gewählt wurde, hatte jahrelang Quartier im Ausweichmagazin Derendingen der Universitätsbibliothek genommen und dort nicht unerhebliche Schäden an Büchern angerichtet.

 

Schließlich wurde das Nest entdeckt und die Siebenschläferfamilie in Lebenfallen außer Haus gebracht. Beim Umzug der Bücher in das Bibliothekszentrum Wilhelmstraße im Mai 2002 traten weitere Fälle von Fraßschäden zutage, interessanterweise handelte es sich bei den meisten betroffenen Büchern um Kunstbände - die Siebenschläfer waren also keine Kostverächter.

 

Der Siebenschläfer gehört zur Familie der Bilche (Myoxi), ist in Norddeutschland teilweise vom Aussterben bedroht und steht in der Roten Liste bedrohter Tiere. Mit in die Wahl einbezogen wurden auch alle anderen Schläferarten wie Baumschläfer, Gartenschläfer und Haselmaus.

Siebenschläfers Steckbrief

 
Verbreitung

Süd- und Osteuropa, vor allem Ungarn, Kroatien und südliches Russland. Mitteleuropa.

Lebensraum

 

Vorwiegend in Eichen- und Buchenwäldern der Mittelgebirge, auch in Parks und Obstgärten.
Er bewohnt Baumhöhlen, Felsspalten oder Mauerlöcher, ebenso dienen Wurzelstöcke oder Totholz als Unterschlupf.

 
Lebensweise

Dämmerungs- und nachtaktiv. Gewandter Kletterer.
Lebt gesellig in kleinen Gruppen oder paarweise. Verständigt sich mit verschiedenartigsten Lauten, vom lang gezogenen und trillernden Pfiff über murmelnde und murksende Laute bis hin zu Quieken und Zirpen.
Baut sich im Herbst ein Winterquartier und verfällt zu Beginn der kalten Jahreszeit (je nach Gegend unter Umständen schon Ende August) in einen mehrmonatigen Winterschlaf, in der Regel von Oktober bis Mai.

Nahrung

Eicheln, Bucheckern, Haselnüsse, Walnüsse, Kastanien, Obst.
Als Raubtier frisst er auch kleinere Tiere, vor allem junge Vögel und Eier.
Sammelt Wintervorräte, die er in Höhlen speichert, frisst jedoch noch so lange wie möglich und ist zu Beginn des Winterschlafs richtiggehend dick und fett.
Wagt sich zunehmend auch in die Nähe der Menschen, besucht Obstbäume und plündert Weinberge. Auch in Gärten und Scheunen ist er zugange.

Feinde

Marder, Iltis, Eule - und der Mensch, der ihn in manchen Gegenden als Ernteschädling sieht.

Aussehen und Größe

Ähnelt dem Eichhörnchen, ist 13 bis 19 cm lang und besitzt eine 11 bis 15 cm langen, buschigen Schwanz.
Weiches, dichtes Fell von aschgrau bis graubrauner Farbe.

Siebenschläferlegende

Die Legende reicht ins dritte Jahrhundert in die Zeit des römischen Kaisers Decius zurück.
Decius verfolgte die Christen, insbesondere in Kleinasien. In Ephesos ließ er einen Tempel errichten und befahl den Einwohnern, sich von ihrem christlichen Glauben abzuwenden und seine Götzen anzubeten.
Diejenigen, die seinem Befehl Folge leisteten, sollten von der Todesstrafe verschont werden.

In der Stadt lebten sieben junge Männer, die der Oberschicht angehörten und sich in ihrem Glauben an Christus den Befehlen des Kaisers widersetzten. Sie hießen Achillides, Diomedes, Eugenius, Stephanus, Probatius, Sabbatius und Cyriacus. (So die syrische Vorlage der Legende, Gregor von Tours nennt die Namen Maximillianus, Malchus, Martinianus, Constantinus, Dionysius, Johannes und Serapion. Diese Version hat sich in allen lateinischen Varianten der Legende durchgesetzt.)

Decius ließ die Sieben gefangen nehmen, begnadigte sie jedoch ihrer Jugend wegen und setzte ihnen eine Frist, während der sie sich zu seinen Göttern bekennen sollten. Als Decius hierauf die Stadt verließ, flüchteten die jungen Männer in eine Höhle des Berges Anchilus. Dort lebten sie ihren christlichen Glauben vor allem in Gebeten. Um zu erfahren, welche Maßnahmen Decius in ihrem Falle ergreifen würde, schickten sie Diomedes jeden Tag in die Stadt, um als Bettler verkleidet Speisen zu besorgen und sich gleichzeitig nach neuen Nachrichten umzuhören.

Als Decius nach Ephesos zurückkehrte, ließ er die Jünglinge suchen und erfuhr von ihrem Aufenthaltsort. Dies berichtete Diomedes seinen Freunden und sie beteten zu Gott, dass er sie zur Zeit des Sonnenuntergangs einschlafen ließe. Decius entschied jedoch, dass der Höhleneingang zugemauert werden sollte, so dass die Sieben verhungern würden. Zwei Diener des Kaisers schrieben die Geschichte auf Bleitafeln und versteckten diese unter den Mauersteinen, damit ihre Märtyrergeschichte vielleicht eines Tages bekannt würde.

Jahrhunderte später, in der Regierunszeit Theodosius' II. (448), rissen Arbeiter die Mauern ein, weil sie Steine für einen neuen Stall benötigten. Da ließ Gott die sieben Männer erwachen, die nun dachten, sie hätten nur eine Nacht geschlafen. Gewohnheitsmäßig schickten sie Diomedes in die Stadt, um einzukaufen. Dieser hatte jedoch noch die alten Goldmünzen aus der Zeit des Decius bei sich, so dass er für einen Betrüger gehalten wurde, der einen alten Schatz gehoben hatte. Er wurde dem Bischof und dem Statthalter vorgeführt und erzählte diesen seine Geschichte. Um sich von der Wahrheit des Erzählten zu überzeugen, führte man ihn zu der Höhle und fand sowohl die auferstandenen jungen Männer als auch die Bleitafeln, die deren Geschichte bezeugten.

Man berichtete Theodosius von den Begebenheiten und dieser sah in der Wiedererweckung der Jünglinge den Beweis für die Auferstehung von Leib und Seele.

Die Jünglinge verschieden jedoch nach der Begegnung mit Theodosius, erschienen ihm in der Nacht im Traum und baten ihn, sie am Ort ihres gemeinsamen Schlafes zu belassen.

Die Höhle ist heute eine für Christen wie Muslime heilige Stätte, die Legende findet sich ähnlich auch in der 18. Sure des Koran.