Die Bibel - das Buch der Bücher

Eine Ausstellung des Stadtmuseums Tübingen und der Universitätsbibliothek Tübingen auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen


vom 12.4.-1.6.2003 im Stadtmuseum Tübingen

 

Was die Bibel für einen gläubigen Menschen bedeutet, lässt sich in einer Ausstellung eigentlich nicht zeigen. Sichtbar gemacht werden kann, auf welch vielfältige Weise die biblischen Schriften in Europa über Jahrhunderte hindurch handschriftlich oder gedruckt verbreitet wurden und unsere Kultur nachhaltig geprägt haben.

 

Bevor in der Mitte des 15. Jahrhunderts durch die Erfindung Gutenbergs das Zeitalter des Buchdrucks begann, konnten Texte nur durch Abschreiben verbreitet werden, eine mühsame und langwierige Arbeit, dem sich vor allem Mönche in den Schreibstuben der Klöster widmeten. Die Gestaltung der Textseiten, die Ausstattung und die Sorgfalt der Ausführung übernahmen die ersten Drucker von den Schreibern des Mittelalters. Die ersten Bibeldrucke lassen erkennen, wie wichtig es den Auftraggebern war, Textseiten und Einband der Heiligen Schrift auf eine repräsentative Weise auszustatten.

 

Der vollständige lateinische Text der Bibel war bis ins 15. Jahrhundert bis auf wenige Ausnahmen in erster Linie nur den Theologen zugänglich. Zur Unterweisung der Gläubigen wurden Teile der Bibel jedoch auch in die Volkssprache übersetzt. Da nur wenige Menschen des Schreibens und Lesens kundig waren, wurden sie durch bildliche Darstellungen etwa in Gestalt der Wandmalereien in den Kirchen mit den wichtigsten Ereignissen des Alten und Neuen Testaments vertraut gemacht. Mit den "Armenbibeln" (biblia pauperum) fand diese Art der Illustration biblischer Geschichten Eingang in die Buchmalerei, und schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurden diese "Bilderbogen" in Holz geschnitten und als Blockbücher gedruckt. Der Holzschnitt bot auch die ideale Möglichkeit, die Produkte der neu entdeckten Buchdruckerkunst zu illustrieren und den biblischen Texten Bilder zum leichteren Verständnis beizugeben.

 

Bis in die Gegenwart haben sich Künstler mit den Texten der Bibel auseinandergesetzt und damit auf ihre Weise einen Beitrag zur Ausstattung und zum Verständnis der Bibel geleistet. Die frühen vollständigen Übersetzungen der Bibel in deutscher Sprache orientieren sich sehr stark am lateinischen Text und sind daher stellenweise nur schwer verständlich. Erst die Übersetzung Martin Luthers, der den Text in ein zeitgemäßes und verständliches Deutsch umsetzte, leitete eine entscheidende Wende ein. Die Möglichkeiten des sich in Windeseile ausbreitenden Buchdrucks taten ein übriges, um die Verbreitung der Bibel in deutscher Sprache zu fördern.

 

Die Ausstellung beschränkt sich darauf, eine Auswahl von Bibeln und biblischen Texten zu zeigen, die in Tübinger Sammlungen vorhanden sind; gezeigt werden auch Exemplare, die ihre eigene Geschichte erzählen und mit Personen oder Familien verbunden sind. Die Tübinger Kirchengemeinden hatten dazu aufgerufen, vor allem solche Stücke aus Privatbesitz für diese Ausstellung zur Verfügung zu stellen, die Spuren intensiven Gebrauchs oder handschriftliche Einträge enthalten und damit über frühere Besitzer und Familienereignisse Auskunft geben.

 

Die beiden theologischen Fakultäten veranstalten zu "Jahr der Bibel" eine Vorlesungsreihe im Studium Generale zum Thema "Bibel und Bibelwissenschaft" (Dienstag, 18-20 Uhr, Beginn am 29. April 2003).

 

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