"...will all mein büecher geben..." - Vermächtnisse, Stiftungen und Geschenke

... an die Universitätsbibliothek Tübingen in 500 Jahren

Ausstellung vom 30.10.2002-14.2.2003

anlässlich der offiziellen Einweihung des Ammerbaus am 30.10.2002.

 

"So will ich auch all mein büecher geben an das stipendium, die soll man stellen in der universitett liberey..." Mit diesen Worten legte 1522 Konrad Hager, Pfarrer zu Renningen, später Kanoniker am Stift St. Moritz in Ehingen bei Rottenburg, in der Stiftungsurkunde für seine Studienstiftung an der Universität Tübingen fest, dass seine private Bibliothek zum Nutzen der Studierenden in der Universitätsbibliothek aufgestellt werden sollte. Einige Jahre nach dem Brand des Sapienzhauses, bei dem 1534 alle Bücher der Universitätsbibliothek ein Raub der Flammen geworden waren, übergab Konrad Hager im Jahre 1539 seine Büchersammlung, die etwa 250 Titel umfasste, an die Universitätsbibliothek, die dadurch wieder einen kleinen Grundbestand an Büchern erhielt.

 

In einer Zeit, in der Bibliotheken bis an die Grenzen ihrer Funktionsfähigkeit mit Sparauflagen belastet werden, ist es wohl an der Zeit, an diejenigen zu erinnern, die im Laufe der langen Geschichte der alma mater Tübingensis und ihrer Bibliothek das zum Geschenk gemacht haben, was Inhalt und Zentrum ihres Lebens und Strebens gewesen ist: ihre Sammlungen und ihre Bibliotheken.

 

Die "universitas scientiarum" muß auch heute noch im Mittelpunkt des Interesses und Strebens einer Universität stehen. Wo lassen sich die Spuren einer solchen Universalität besser sichtbar machen, als in den Bibliotheksbeständen, die von Gelehrten, Förderern und Gönnern der Universität zusammengetragen worden sind.

 

Die Rückbesinnung auf die Vorgänger und Vorbilder in den Wissenschaften sollte selbstverständlich sein, wenn solide wissenschaftliche Arbeit abgeliefert wird. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse werden auch heute noch nur unter Verwendung und Verarbeitung der Ergebnisse vieler früherer Forschergenerationen möglich. Heutige Forscher stehen - bildlich gesprochen - immer noch auf den Schultern ihrer Vorgänger. Die Ergebnisse oft lebenslanger wissenschaftlicher Arbeit sind in Manuskripten und Druckwerken niedergelegt, die seit Jahrhunderten in Bibliotheken gesammelt und der wissenschaftlichen Arbeit zugänglich gemacht werden.

 

In der Geschichte der wissenschaftlichen Bibliotheken zeigt sich immer wieder, dass Wissenschaftler "ihre" Bibliothek zu schätzen wussten und so hat auch die Universitätsbibliothek Tübingen in ihrer mehr als 500jährigen Geschichte zahlreiche Zuwendungen von dankbaren Nutzern - Wissenschaftlern, Professoren, ehemaligen Studenten und Mäzenen - bekommen, die den Bestand der Bibliothek über einen für die Lehre unerlässlichen Grundbestand hinaus erweitert haben mit Spezialbeständen und Zimelien.

 

Diese Ausstellung zeigt nur eine kleine Auswahl von Büchern, die durch Vermächtnis oder Schenkung in die Universitätsbibliothek gekommen sind. Die Mäzene und Stifter, Persönlichkeiten aus dem geistigen Umfeld der Universität, werden in den der Bibliothek überlassenen Beständen greifbarer und zeigen ihre umfassende Bildung auch wenn ein Teil der Bestände Spezialgebieten zuzurechnen ist.

 

Sie alle, auch die Tübinger Verlage, die ihre Produktion der Universitätsbibliothek Tübingen unentgeltlich überlassen, zeigen in beeindruckender Weise, dass sie die Bibliothek als einen wesentlichen Teil der universitas scientiarum schätzen und tragen dazu bei, dass die Bibliothek ihrer Aufgabe als Wissensreservoir für Forschung und Lehre auch und gerade in kleineren und spezielleren Gebieten umfassender nachkommen kann. Gerade die kleineren Details aus großen Sammlungen, die das spezielle Interesse des jeweiligen Sammlers widerspiegeln, lassen auch etwas von der Persönlichkeit des Sammlers aufscheinen.


Vorgestellt werden in der Ausstellung 15 größere Sammlungen, die als Geschenke an die Bibliothek gelangt sind und drei Tübinger Verlage, die regelmäßig ihre Neuerscheinungen an die Universitätsbibliothek geben. Die Universitätsbibliothek besitzt noch weitere Gelehrtenbibliotheken, die durch Kauf erworben wurden und eine Reihe von Nachlässen, die in der Regel als Geschenk bzw. Vermächtnis in ihren Besitz gelangt sind. Alle diese Bestände geben in unterschiedlicher Weise Einblicke in die Entwicklungen, welchen die Universität und ihre Wissenschaftler im Laufe der Geschichte unterworfen waren.


Dankbar zu erwähnen ist, dass auch heute noch gelegentlich Wissenschaftler "ihrer" Bibliothek unentgeltlich ein Exemplar ihrer Publikation überlassen und dass es auch Geschenke gibt, bei dem es dem Geber vor allem darauf ankommt, dass diese Bücher einen sicheren Aufbewahrungsort bekommen und dort der Allgemeinheit auch in Zukunft zur Verfügung stehen. Die historischen Bestände und Sondersammlungen der Universitätsbibliothek bergen einen reichen Schatz aus dem diese Ausstellung einen kleinen Ausschnitt zeigen will.

 

 

Eugen Englisch (1869 - 1905)
Ludwig Friedrich Griesinger (1767 - 1845)
Jeremias David Reuss (1750 - 1837)
Ernst von Sieglin (1848 - 1927)
Eduard Spranger (1882 - 1963)
Ludwig Uhland (1787 - 1862)