Mohr Siebeck und die Universität Tübingen

200 Jahre Bücher für die Wissenschaft

 

Ausstellung vom 26.10.2001-17.1.2002

 

Im Mittelpunkt der Ausstellung sollen die Tübinger Aspekte der Verlagsgeschichte von Mohr Siebeck und seiner Schwesterfirma H. Laupp stehen, sowie deren traditionelle Verbindungen zur hiesigen Universität.

 

Die Tübinger Anfänge liegen bei Johann Friedrich Cotta, dem berühmten Verleger von Goethe und Schiller, der seinem Geschäftsführer Heinrich Laupp, dem Tübinger Urahn des Unternehmens Mohr Siebeck, 1816 seine Tübinger Buchhandlung überließ.

 

Die H. Laupp'sche Buchhandlung entwickelte sich zum florierenden Tübinger Universitätsverlag, erst am Holzmarkt gegenüber der alten Aula, seit 1846 mit Sitz in der Wilhelmstraße, ganz in der Nähe des neu entstehenden Universitätsviertels. Tübinger Wissenschaftler aus allen Fakultäten, darunter Christoph Sigwart, Gustav Rümelin oder Friedrich Silcher, ließen ihre Werke bei Laupp erscheinen.

 

Der Verlag begleitete den Aufstieg der Naturwissenschaften und der Medizin in Tübingen mit Büchern des Chemikers Christian Gottlob Gmelin, des Geologen Friedrich August Quenstedt oder des Chirurgen Paul von Bruns. Enge Beziehungen bestanden zur Staatswissenschaftlichen Fakultät, wo Robert von Mohl, Albert Schäffle oder Johannes Fallati lehrten. Mit der Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft riefen der Verleger und die Fakultätsmitglieder 1844 eine Zeitschrift ins Leben, die bis heute existiert.

 

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bildet der "Verlagsalltag um 1900" des damals unter J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) firmierenden Verlags. Schreibmaschinen und andere technische Neuerungen erleichterten die tägliche Arbeit. Verleger Paul Siebeck, der kräftig expandiert und seinen Wirkungskreis vom regionalen auf den internationalen Markt hin ausgebaut hatte, wachte mit strengen Arbeitsregeln über seine inzwischen 40 Angestellten. Mit neuen Verlagssignets gab sich der Verlag in den 1920er Jahren ein moderneres Gesicht.

 

Der Erste Weltkrieg und die Inflationszeit stellten den Verlag vor neue Herausforderungen, zum Beispiel Zensurprobleme, Papiermangel und endloses Berechnen sich ständig verändernder Bücherpreise. Im Dritten Reich verengte sich der Raum für verlegerisches Handeln, zumal zahlreiche jüdische und linksgerichtete Autoren des Verlages nicht mehr publizieren durften.

 

Ende 1945 erhielt Verleger Hans Georg Siebeck eine der ersten Lizenzen in der französischen Zone. Es war nun entscheidend, wieder Anschluß an den inzwischen zunehmend international ausgerichteten wissenschaftlichen Diskurs zu finden. Eine wichtige Rolle im Verlagsprogramm spielten dabei immer wieder Tübinger Autoren. Dies galt zum Beispiel in der Nachkriegszeit für die Tübinger Juristenfakultät, etwa Otto Bachof, Josef Esser und Fritz Baur. 

 

Tübinger Theologen wie Ernst Käsemann, Eberhard Jüngel und Martin Hengel prägen bis heute das Verlagsprofil. Das traditionsreiche Lexikon Religion in Geschichte und Gegenwart wird inzwischen in vierter Auflage von einem Forscherquartett aus Tübingen und Chicago herausgegeben. Seit 1984 publiziert Mohr Siebeck die Festreden der Träger des Dr. Leopold-Lucas-Preises, den die Evangelisch-theologische Fakultät der Universität Tübingen vergibt.

 

Paul Siebeck (1855-1920)