Rose Ausländer - "Ich fliege auf der Luftschaukel Europa - Amerika - Europa"

Rose Ausländer in Czernowitz und New York

 

Eine Austellung von Bildern und Dokumenten aus dem Leben der Rose Ausländer
im Bonatzbau der Universitätsbibliothek Tübingen

Eröffnung der Ausstellung: 14.01.1998 um 19 Uhr

15. Januar bis 13. Februar 1998, jeweils Montag bis Freitag 8.00 - 18.00 Uhr

 

 

Am 3. Januar 1988 starb hochbetagt die Dichterin Rose Ausländer, deren bewegtes Leben und literarisches Schaffen Gegenstand einer Ausstellung in der Universitätsbibliothek ist.

 

Geboren wurde Rose Ausländer am 11. Mai 1901 als Rosalie Beatrice 'Ruth' Scherzer in Czernowitz in der Bukowina, einem multi-ethnischen Gebiet im damaligen Österreich. Heute gehört sein nördlicher Teil zur Ukraine, der südliche zu Rumänien.

 

Sie besuchte deutschsprachige Schulen in Czernowitz und Wien und machte 1919 ihre Matura. Das Studium der Literatur und Philosophie fand durch den Tod des Vaters ein Ende, zusammen mit ihrem späteren Ehemann Ignaz Ausländer wanderte sie 1921 nach Amerika aus. Dort arbeitete sie als Hilfsredakteurin bei einer Zeitschrift in Minneapolis und publizierte ihre ersten Gedichte, später zog sie nach New York, wo sie als Bankangestellte arbeitete. Sie erhielt 1926 die amerikanische Staatsbürgerschaft, die ihr jedoch 1934 wieder aberkannt wurde wegen dreijähriger Abwesenheit aus den USA. Immer wieder zog es sie nach Europa, nach Czernowitz und Bukarest. Sie hatte sich 1926 von ihrem Mann getrennt und lebte zwischen 1931 bis 1935 mit Helios Hecht zusammen, hauptsächlich in Bukarest. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie als Englischlehrerin und als Arbeiterin in einer chemischen Fabrik.

 

Zwischen 1931 und 1936 erschienen viele Gedichte in Anthologien und Zeitschriften, sie lieferte auch journalistische Beiträge. 1939 kam in Czernowitz ihre erste Buchpublikation 'Der Regenbogen' heraus, für lange Zeit das letzte Buch von ihr.

 

1941 besetzten die Nazis die Bukowina und sie lebte bis zur Befreiung 1944 unter ständiger Todesfurcht im Getto der Stadt, später in Kellerverstecken. Dort traf sie Paul Celan, der auf ihre Gedichte aufmerksam wird. Nach dem Einmarsch der russischen Truppen arbeitete sie für kurze Zeit in der Stadtbibliothek von Czernowitz, das nun zur Ukraine gehörte. 1945 stellte sie einen Ausreiseantrag nach Rumänien und reiste dann im folgenden Jahr gleich weiter nach New York.

 

Dort fand sie Arbeit als Fremdsprachenkorrespondentin in einer Spedition, wo sie 1961 krankheitshalber ausschied. Zwischen 1949 und 1956 schrieb Rose Ausländer ausschließlich auf Englisch.

 

Auf einer mehrmonatigen ausgedehnten Europareise 1957 traf sie mehrmals mit Paul Celan zusammen und begann wieder Deutsch zu schreiben.

 

Bald nach ihrem Auscheiden aus der Spedition bereitete sie ihre Übersiedelung nach Europa vor. Zunächst wollte sie nach Wien, wo inzwischen auch ihr Bruder Aufnahme gefunden hatte, ließ sich 1965 jedoch endgültig in Düsseldorf nieder. Hier erschien noch im selben Jahr der Band 'Linder Sommer', ihre erste Buchpublikation seit 1939.

 

Bis 1971 war ihr Leben gekennzeichnet von zahlreichen Reisen - 1968 noch einmal, zum letzten Mal, nach Amerika - und einer steigenden Berühmtheit. Beinahe jedes Jahr erschien nun eine Gedichtssammlung. Im Jahre 1977 las die Autorin zum letzten Mal in der Öffentlichkeit anläßlich einer Preisverleihung. Seit 1978 lebte sie ans Bett gefesselt im Nelly-Sachs-Haus in Düsseldorf. Sie schrieb jedoch weiter bis zu ihrem Tode.

 

Das Rose-Ausländer-Dokumentationszentrum hat die Ausstellung zusammengestellt.

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