Julius Euting : Arabienforscher und Patriot

Ausstellung bis 18.11.97 im Bonatzbau

 

Julius Euting (1839-1913) war Zögling des Tübinger Stifts, wo er neben theologischen auch orientalistische Studien betrieb. Er promovierte 1862 mit einer Arbeit über den Koran und ging danach zur Vertiefung seiner Studien nach Paris, London und Oxford. Nach Tübingen zurückgekehrt, übernahm er das Universitätsarchiv, arbeitete als Bibliothekar am Evangelischen Seminar und an der Universitätsbibliothek bis er als Erster Bibliothekar an die neue Universitätsbibliothek in Straßburg ging, deren Direktor er später wurde.

 

Daneben aber unternahm Euting mehrere wissenschaftliche Reisen in den Vorderen Orient, die wichtigste führte ihn 1883-84 nach Innerarabien. Diese Reise beschrieb er ausführlich im "Tagbuch einer Reise in Innerarabien". Diese Tage- und Skizzenbücher mit eindrucksvollen Aquarellen sind im Besitz der UB Tübingen.

 

Als süddeutscher Patriot war Euting in Straßburg starken politischen Spannungen ausgesetzt. Er mußte sich mit den neuen preußischen Herren von Elsaß-Lothringen arrangieren und bemühte sich gleichzeitig um eine deutsch-französische Annäherung.

 

Der Nimbus eines Sonderlings hing ihm, dem vielseitig begabten Menschen, seit seinen Tübinger Tagen an, wo er sich im Haspelturm, einem ehemaligen Verließ für Schwerverbrecher, eine Wohnung im orientalischen Stil hergerichtet hatte und auch häufiger in orientalischer Kleidung zu sehen war.

 

Er war begeisterter Schwarzwaldwanderer, Gründer des Vogesenklubs, wagemutiger Reiter, Eisläufer und 'Luftschiffer', der bereits 1899 in einem Ballon auf 3400 Meter Höhe aufgestiegen war, zehn Jahre später den Schwarzwald überflog und bei Rottenburg landete.

 

Seine Asche wurde am 1. Juni 1913 auf dem Seekopf über dem Wildsee im Schwarzwald beigesetzt. Als Kaffee- und Tabakfreund hatte er verfügt, daß jeder, der sein Grab an seinem Geburtstag, dem 11. Juli, besuche, eine Tasse echten arabischen Kaffees erhalten solle.