Universitätsbibliothek

Paul Bonatz und die Bibliothek

Als Paul Bonatz den Wettbewerb für den Bau der Universitätsbibliothek gewann, hatte er bereits die Nachfolge Theodor Fischers als Ordinarius für Entwerfen und Städtebau an der Technischen Hochschule Stuttgart angetreten.

Der 1877 in Solgne bei Metz geborene und 1956 in Stuttgart verstorbene Paul Bonatz baute nach dem Ersten Weltkrieg die „Stuttgarter Schule" neben dem Bauhaus in Dessau zu einer der gefragtesten Architekturschulen in Deutschland aus. Zusammen mit Friedrich Eugen Scholer betrieb er seit 1908 erfolgreich ein Architekturbüro.

Über seinen Bibliotheksbau in Tübingen schreibt er aus seinem Exil in Ankara im Jahr 1946 an den Bibliothek Victor Burr, zunächst eingehend auf die Zerstörung vieler seiner Bauten durch den Krieg:

... so ist es für mich ein Trost, daß Ihre Bibliothek erhalten blieben ist, die ich in jugendlicher Begeisterung 1910–1912 gebaut habe, und die mir immer noch dem Herzen nahe steht – als ein nicht bombastisches Beispiel, wie sie in jener Zeit beliebt waren, sondern beinahe wie eine ländliche Residenz."

Im Rückblick in seinen Lebenserinnerungen von 1950 schreibt er:

„In die Jahre 1910 bis 1912 fällt der Bau der Universitätsbibliothek in Tübingen. Wir hatten lange Kämpfe, der Oberbibliothekar Geiger und ich, um den so klar organisierten Grundriß durchzusetzen [...] Der Bau ist ein Kind jener Zeit. Gerne würde ich heute den Hobel nehmen, um da und dort zu vereinfachen. Wie sehr würde der Bau dabei gewinnen!"

Brief Bonatz an die Bibliothekkommission
Stuttgart, 1912

UAT: 117/599, Bl. 104

„Seine Exzellenz der Herr Staatsminister des Kgl. Württ. Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens hat sich mit der mitgeteilten Liste der 12 Persönlichkeiten, deren plastische Kopfbilder an der Außenseite des Neubaus der Kgl. Universitätsbibliothek als Schmuck angebracht werden sollen, einverstanden erklärt und die Einfügung von Uhland und Bismarck ausdrücklich gewünscht. Es würden also Walter von der Vogelweide und Humboldt ausfallen und die definitive Liste ist:


rechte Hälfte: linke Hälfte:
1. Homer 7. Plato
2. Dante 8. Leonardo da Vinci
3. Shakespeare 9. Luther
4. Goethe 10. Leibniz
5. Schiller 11. Kant
6. Uhland 12. Bismarck "

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