Der Nachlass

Die Vielfalt der Interessen von Gundert spiegeln sich in seinem Nachlass wider: die Sammlung umfasst Grammatiken, Fibeln und religiöse Texte. Aber Gunderts literarische Interessen und Unternehmungen gehen weit über diesen Rahmen hinaus und es wäre eine grobe Unterschätzung dieses Gelehrten, ihn auf diese beiden Bereiche zu reduzieren.

Hermann Gundert versuchte vielmehr, eine ganze Kultur zu verstehen und literarisch zu erfassen, und so findet sich in seinem Nachlass die berühmten Werke Indulekha und Kundalata, die als die ersten Malayalam Romane gelten. Neben den modernen literarischen Werken seiner Zeit, sammelte er auch alte Texte aus der Sanskrit- und Malayali-Tradition; so gibt es beispielsweise das Sanskritwerk Vajrasuci mit einem Malayalam Kommentar oder Krsnagatha, eine bekannte poetische Beschreibung des Lebens Krishnas auf Malayalam und manch' weitere Überraschung.

Besonders beschäftigt hat Gundert die Entstehungsgeschichte von Kerala, denn wir finden gleich mehrere Versionen von Kerala Pazhama bzw. Keralolpatti.

 

Im Sprachgebiet des Kanaresischen (Kannada), das an Kerala grenzt, wirkte Hermann Mögling, ein enger Mitarbeiter und Vertrauter von Gundert. Mögling beschäftigte sich vornehmlich mit dieser Sprache. Er sammelte und edierte neben grammatischen und lexikalischen Werken ebenfalls Sprichwörter und literarische Texte. In seiner 'Bibliothekca Carnatica' sollten die wichtigsten Werke der Kannada Tradition erscheinen. Die Serie wurde zwar nie vollendet, die ersten 5 Foliobände enthalten jedoch einige wichtige Texte zur religiösen und intellektuellen Geschichte Südindiens, etwa das Cannabasava Purana, eine Hagiographie des Dichters und religiösen Revolutionärs Basava, oder Karnataka Bharata, die äußerst populäre kanaresische Adaption des Mahabharata.

Interessante Quellen nicht nur für Sprachwissenschaftler, sondern auch für Religions- und Kulturhistoriker dürften die verschiedenen Wörterbücher sein, die sich im Nachlass befinden, kann man doch anhand von ihnen vortrefflich die Verschiebung im Verständnis bestimmter Begriffe nachvollziehen. Hier seien etwa die Kannada-Latein oder Malayalam-Latein Wörterbücher genannt, die für die Missionen im Gebiet von Mysore von unterschiedlichen Institutionen zusammengestellt worden waren.

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