Universitätsbibliothek

Das Gundert-Portal

Das Gundert Portal ist das Ergebnis eines DFG Projekts, das seit 2016 an der Universitätsbibliothek läuft. Hauptziel des Projekt ist es, gedrucktes und handschriftliches Quellenmaterial aus dem Nachlass von Hermann Gundert und seinem unmittelbarem Umfeld zu scannen, katalogisieren und öffentlich zugänglich zu machen.

Der Gundertnachlass enthält nicht nur Bücher und Kleinschrifttum auf Malayalam und Kannada, sondern auch südindische Palmblatthandschriften sowie Abschriften von Texten und Notizbücher von Hermann Gundert und seiner Missionarskollegen in verschiedenen Sprachen.

Hermann Gundert

Hermann Gundert (1814 - 1893) studierte von 1831-1835 Theologie am Evangelischen Stift in Tübingen, wo er auch Sanskrit lernte und 1835 zum Dr. phil promoviert wurde. Danach ging er nach England,wo er weitere indische Sprachen lernte, nämlich Bengali, Telugu, Marathi und Urdu. Dann folgte er einem englischen Missionar an die Ostküste Indiens, bevor er sich 1838 der Basler Mission anschloss und in ihrem Auftrag nach Nettur kam, in das Malayalam Sprachgebiet. Auch diese Sprache eigente er sich rasch an und gründete eine Schule für die Erforschung des Malayalam. Er war es, der eine erste Grammatik des Malayalam verfasste sowie ein Malyalam-English Wörterbuch, das noch heute in Gebrauch ist. Zu seinen Pionierleistungen zählt auch die Einführung des 'cil' (˘) Zeichens in der Malayalam-Schrift sowie die orthografische Unterscheidung zwischen langem “e” േ und kurzem “e” െ

Als Missionar fühlte er sich berufen, die Bibel und andere religiöse Texte ins Malayalam zu übersetzen, aber auch vor literarischen Texten machte er nicht Halt und so birgt sein Nachlass eine große Bandbreite an verschiedenartigen Texten auf Malayalam und Kanaresisch.

Aufgrund seiner schwachen Gesundheit musste er Indien 1859 für immer verlassen und zog nach Calw im Schwarzwald, wo er Mitarbeiter und später nachfolger in Christian Barths 'Calwer Verlagsvereins' wurde. Daneben arbeitete er weiterhin auf sprachwissenschaftlichem und religionshistorischem Gebiet.

Der Nachlass

Die Vielfalt der Interessen von Gundert spiegeln sich in seinem Nachlass wider: die Sammlung umfasst Grammatiken, Fibeln und religiöse Texte. Aber Gunderts literarische Interessen und Unternehmungen gehen weit über diesen Rahmen hinaus und es wäre eine grobe Unterschätzung dieses Gelehrten, ihn auf diese beiden Bereiche zu reduzieren.

Hermann Gundert versuchte vielmehr, eine ganze Kultur zu verstehen und literarisch zu erfassen, und so findet sich in seinem Nachlass die berühmten Werke Indulekha und Kundalata, die als die ersten Malayalam Romane gelten. Neben den modernen literarischen Werken seiner Zeit, sammelte er auch alte Texte aus der Sanskrit- und Malayali-Tradition; so gibt es beispielsweise das Sanskritwerk Vajrasuci mit einem Malayalam Kommentar oder Krsnagatha, eine bekannte poetische Beschreibung des Lebens Krishnas auf Malayalam und manch' weitere Überraschung.

Besonders beschäftigt hat Gundert die Entstehungsgeschichte von Kerala, denn wir finden gleich mehrere Versionen von Kerala Pazhama bzw. Keralolpatti.

Im Sprachgebiet des Kanaresischen (Kannada), das an Kerala grenzt, wirkte Hermann Mögling, ein enger Mitarbeiter und Vertrauter von Gundert. Mögling beschäftigte sich vornehmlich mit dieser Sprache. Er sammelte und edierte neben grammatischen und lexikalischen Werken ebenfalls Sprichwörter und literarische Texte. In seiner 'Bibliothekca Carnatica' sollten die wichtigsten Werke der Kannada Tradition erscheinen. Die Serie wurde zwar nie vollendet, die ersten 5 Foliobände enthalten jedoch einige wichtige Texte zur religiösen und intellektuellen Geschichte Südindiens, etwa das Cannabasava Purana, eine Hagiographie des Dichters und religiösen Revolutionärs Basava, oder Karnataka Bharata, die äußerst populäre kanaresische Adaption des Mahabharata.

Interessante Quellen nicht nur für Sprachwissenschaftler, sondern auch für Religions- und Kulturhistoriker dürften die verschiedenen Wörterbücher sein, die sich im Nachlass befinden, kann man doch anhand von ihnen vortrefflich die Verschiebung im Verständnis bestimmter Begriffe nachvollziehen. Hier seien etwa die Kannada-Latein oder Malayalam-Latein Wörterbücher genannt, die für die Missionen im Gebiet von Mysore von unterschiedlichen Institutionen zusammengestellt worden waren.

Die Texte

Bei den im Rahmen des Gundert Projekts digitalisierten Texte handelt es sich überwiegend um Malayalam-, Kannada- und Tulu-Drucke und Handschriften. Aufgenommen wurde alle diesbezüglichen Werke des 19. Jahrhunderts, die sich im Bestand der Universitätsbibliothek befinden auch dann, wenn sie nicht aus dem Gundertnachlass im engeren Sinne stammen. Hinzugenommen wurden einige wenige Werke auf Tamil sowie englisch- und deutschsprachiges Material aus der Feder Gunderts und seiner engsten Mitarbeiter.

Die bereits digitalisierten Texte werden Sie demnächst unter DigitalSouthAsia finden.

Beteiligte Personen

Projektmitarbeiter*innen

Projekverantwortliche:

Projektmitarbeiterin: Dr. Elena Mucciarelli

IT Support: Florian Wagner

Mitarbeiter in Indien:

  • Shiju Alex
  • Sreenath V K
  • Sheena Kochunni
  • Narendran S.
  • Sugeesh G. Subhrahmanyam
  • Mukesh Kumar M