Bestandsprofil

Das Fach "Religionswissenschaft" wird an der UB Tübingen im Rahmen des neu eingerichteten Fachinformationsdienst (FID) 'Religionswissenschaft' betreut.

 

Hierfür erwirbt die UB wissenschaftlich relevante Literatur ohne konfessionelle oder weltanschauliche Vorbehalte nach einem vorgegebenen Profil. Danach wird Literatur zur allgemeinen Religionswissenschaft (z.B. Theorie, Methodendiskussion) sowie Literatur zu Vergleichen zwischen Religionen und Weltanschauungen gesammelt. Publikationen, die ausschließlich erbaulichen Charakters haben sind von der Erwerbung ausgenommen.

Wegen Überschneidungsgefahr mit den großen regionalen Fachgebieten "Südasien", "Ost- und Südostasien", "Vorderer Orient Nordafrika", "Afrika südlich der Sahara" und "Ibero-Amerika" ist das Sammeln von Literatur, die sich mit einer Religion aus diesen Regionen beschäftigt, ebenfalls ausgenommen.

 

Zur Geschichte und Selbstverständnis der Religionswissenschaft

 

Religionswissenschaft begann sich im 19. Jahrhundert als eigenständige Disziplin zu etablieren, nachdem entsprechende Fragestellungen zuvor im Rahmen der systematischen Theologie und der Missionswissenschaft einerseits, in der Ethnologie sowie den literaturwissenschaftlichen Fächern - vor allem der Orientalistik - andererseits behandelt wurden.

 

In Tübingen hielt der Indologe und Orientalist Rudolf von Roth (1821-1895) regelmäßig Vorlesungen zur Religionsgeschichte. Als gleichzeitiger Leiter der Universitätsbibliothek sorgte Roth für den Aufbau eines Bestands an grundlegenden Werken zu den nicht-christlichen Religionen, wobei die Religionen Asiens einen Schwerpunkt bildeten. 

 

Heute kommt der Religionswissenschaft aufgrund der religiösen Pluralisierung und anderen gesellschaftlicher Entwicklungen erhöhte Bedeutung zu. So erklärt der Wissenschaftsrat in seinen "Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen" (Drs. 9678-10, Berlin 29. 01. 2010): "Die Besonderheit der Religionswissenschaft liegt weniger in ihrer Methodik oder in der Exklusivität ihres Gegenstandes 'Religion' als vielmehr in ihrem systematischen Anspruch sowie in ihrer komparativen Perspektive, mit der sie empirisch und theoretisch-systematisch religiöse Phänomene innerhalb und außerhalb moderner westlicher Gesellschaften erforscht." (ebda. S. 87)

 

Das Sondersammelgebiet 'Allgemeine und vergleichende Religionswissenschaft' wird seit 1981 von der Universitätsbibliothek Tübingen betreut, es oblag zuvor der Universitätsbibliothek Marburg und wird dort auch heute noch als Sammelschwerpunkt Religionswissenschaft hervorgehoben.

 

Derzeit bemüht sich die UB Tübingen um einen Fachinformationsdienst (FID) Religionswissenschaft, bei dessen Bewilligung nicht nur die Sammlung religionswissenschaftlich relevanter Literatur fortgeführt und verstärkt werden, sondern auch - in enger Zusammenarbeit mit der Fachgesellschaft 'Deutsche Vereinigung für Religionswissenschaft' - moderne Dienstleistungen der Informationsversorgung den in verschiedenen Fachbereichen arbeitenden und über ganz Deutschland verstreuten Fachwissenschaftlern angeboten werden könnte.

 

Eine Quantifizierung des älteren Bestandes an religionswissenschaftlicher Literatur ist nicht möglich, da er in früherer Zeit statistisch unter Theologie oder unter den orientalistischen Fächern erfasst wurde.

 

Seit das Fach als eigenes DFG-Sondersammelgebiet an der UB Tübingen gepflegt wird, wächst der Bestand religionswissenschaftlicher Literatur von anfangs (1981) ca. 250 Bänden bis auf ca. 600 Bände jährlich. Dabei ist zu beachten, dass Werke, die eine oder mehrere der asiatischen und orientalischen Religionen zum Gegenstand haben (Islam; Buddhismus, Hinduismus, Jainismus, Sikhismus u.a) in ihrem jeweiligen regionalen Sondersammelgebiet gesammelt werden und nicht bei diesem SSG mitgezählt sind. 

 

Etwa 150 religionswissenschaftliche Zeitschriften werden gehalten, knapp die Hälfte in der hauseigenen Datenbank erschlossen. Nicht übersehen werden sollte eine große 'Dunkelziffer' an religionswissenschaftlichen Beiträgen, die in orientalistischen, theologischen und kulturwissenschaftlichen Zeitschriften stecken!  

 

Besondere Dienste

 

In der hauseigenen Datenbank Index theologicus werden derzeit etwa 80 religionswissenschaftliche und allgemein kulturelle Zeitschriften bibliografisch erschlossen. Diese Datenbank soll im Bereich der Religionswissenschaft weiter ausgebaut werden und dabei die Religionswissenschaft als eigenständige Sparte deutlicher sichtbar werden.

 

 

Kontakt

 

Universitätsbibliothek

Wilhelmstraße 32

72074 Tübingen

 

Tel.: +49 7071 29-72846

 

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